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Polats Prognose: Basaksehir vs. Fenerbahce

8.3.2019 21:14 Uhr, von Anil P. Polat

Titeltraum gegen Abstiegsangst. So könnte man das Duell zwischen Ligaprimus Medipol Basaksehir und dem 19-maligen türkischen Meister Fenerbahce am 25. Spieltag der Spor Toto Süper Lig zusammenfassen.

Unterschiedlicher könnten die Ausgangslagen vor dem Istanbuler Stadt-Derby zwischen Basaksehir und Fenerbahce kaum sein. Während man im Fatih Terim-Stadion von der ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte träumt und seit Jahren auf dieses Ziel hinarbeitet, geht beim Klub aus Kadiköy das Abstiegsgespenst um. Eine völlig ungewohnte Situation für die Gelb-Marineblauen.

Tabellenführer Basaksehir genießt in diesem Duell Heimrecht. Allerdings kann man bei einem durchschnittlichen Zuschauerschnitt von 3.173 (Kapazität: 17.300) nicht gerade von einem Vorteil sprechen. Es ist durchaus realistisch, dass am Samstag, den 9. März (17:00 Uhr MEZ), deutlich mehr Gästebesucher im Stadion sein werden. Dennoch ist Basaksehir (24 Punkte) nach Galatasaray (28) die zweiterfolgreichste Heimmannschaft der Süper Lig in dieser Saison. In elf Spielen zu Hause gab es nur eine Niederlage, bei sieben Erfolgen und drei Remis.

Basaksehir Dauergast an der Tabellenspitze

Seit nunmehr 15 Spieltagen steht Basaksehir auf Platz eins der Liga. Kein anderer Verein im türkischen Oberhaus hat weniger Gegentreffer (elf) hinnehmen müssen als die Mannen von Chefcoach Abdullah Avci. Dabei sind Teams aus der Türkei nicht gerade berühmt für ihre Defensivqualitäten. Allerdings bildet "Catenacciosehir" – wie man in Anlehnung an das berühmte, italienisch geprägte, defensive Spielsystem fast schon sagen möchte – hier eine Ausnahme. Das Lieblingsresultat in der laufenden Spielzeit lautet daher wenig überraschend 1:0 (bisher sechsmal). Der Istanbuler Titelaspirant "parkt den Bus" in regelmäßigen Intervallen vor dem eigenen Tor. Seit zehn Spielen ist Basaksehir ungeschlagen und ließ in dieser Zeit nur vier Gegentore zu.

Basaksehir besticht durch kollektive Teamleistungen und ein klare Spielphilosophie mit festem System. Dennoch tut sich mit Edin Visca ein Spieler besonders hervor. Der Bosnier trägt den Klub vor allem in engen Spielen und ist mit zehn Saisontreffern und zwölf Torvorlagen in 24 Spielen das Maß aller Dinge beim Team vom Bosporus.

Stürmerproblem und Defensivmängel bei Fenerbahce

Fenerbahce befindet sich hingegen aktuell in einer völlig "vereinsfremden" Situation. Trotz eines spätem 3:2-Sieges gegen den direkten Konkurrenten Caykur Rizespor liegt "Fener" als Tabellen-14. nur zwei Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz. Während man in der gesamten Hinrunde nur auf drei Erfolge kam, hat die Mannschaft von Trainer Ersun Yanal in der Rückrunde bereits jetzt die gleiche Anzahl Siege vorzuweisen.

Wie bei den meisten abstiegsgefährdeten Teams in der Süper Lig macht sich bei Fenerbahce das Fehlen eines zuverlässigen Torjägers bemerkbar. Islam Slimani ist bisher ein absoluter Totalausfall in der Liga. Vom Algerier hatten sich viele Fans der "Kanarien" eine Menge versprochen. Auch Michael Frey war nicht die erhoffte Verstärkung. Roberto Soldado fiel lange aus und kommt erst langsam zum Zug. Andre Ayew ist mit fünf Tore bisher der beste Torschütze von Fenerbahce in der Liga.

Dazu kommt ein mitunter desolates Defensivverständnis. Fenerbahce kassiert zu viele einfache Gegentreffer (34). Diese gehen vor allem auf individuelle Fehler der Hintermannschaft zurück. Kein Team – mit Ausnahme von Besiktas – hat damit so sehr zu kämpfen, wie Fenerbahce. In der Rückrunde gab es zehn Gegentore in sieben Spielen zu verzeichnen. Fünf davon allein in den beiden letzten Spielen.

FAZIT: Basaksehir hat die Favoritenrolle aufgrund der saisonalen Ligadynamik zwar inne. Jedoch wirken die Vorstellungen der Avci-Elf längst nicht mehr so souverän wie in der Hinrunde. Insbesondere konditionelle Mängel haben sich in letzter Zeit offenbart. Dazu war das älteste Team der Liga (Durchschnittsalter 31,0) nicht immer in der Lage gegen jüngere und lauffreudigere Mannschaft das Tempo mitzugehen. Diese Defizite konnte Basaksehir bisher durch cleveres Stellungsspiel und gute Raumaufteilung sowie durch Kaltschnäuzigkeit und Abgezocktheit vor dem gegnerischen Tor wettmachen. Sie machen in Relation viele Tore aus wenigen Chancen. Zu erwähnen ist auch, dass die Mannschaft zusätzlich von einigen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen profitierte.

Fenerbahce präsentierte sich in den letzten Spielen energischer und war bemüht, aggressiven und attraktiven Offensivfußball zu zeigen. Zum Teil gelang dies auch. Die Spieler adaptieren das Spielsystem ihres Trainers Ersun Yanal Stück für Stück. Eine positivere Tendenz scheint klar erkennbar. Hauptproblem bleiben die vielen Gegentreffer, die zu einfach fallen. Dennoch sollte niemand in diesem Derby Fenerbahce abschreiben. Dies erfuhren auch Galatasaray und jüngst erst wieder Besiktas. Gegen beide Rivalen lag man als vermeintlicher Außenseiter klar zurück (0:2 und 0:3) und holte am Ende noch einen Punkt. Auch der Hinrundenvergleich mit Basaksehir endete mit einem torlosen Unentschieden. Fenerbahce hat eine schon fast traditionell eingeimpft wirkende Derby-Mentalität. Selbst, wenn sie die Duelle nicht gewinnen, verlieren sie sich zumindest auch nicht und treten besonders motiviert auf. Auch wenn Vorteile bei Basaksehir erkennbar sind, so erscheint ein Remis als wahrscheinlichstes Resultat.

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