Pistolen-Räuber sitzt in Untersuchungshaft - viele Fragen offen

19.7.2020 8:00 Uhr

"Mir fällt eine enorme Last vom Herzen, der Druck ist weg, der sich natürlich in den letzten Tagen hier aufgebaut hat. Und jetzt auch langsam eine gewisse Müdigkeit. Aber natürlich auch Zufriedenheit, hohe Zufriedenheit."

Der 31-Jährige, der in Oppenau im Schwarzwald vier Polizisten entwaffnet hat, sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird besonders schwere räuberische Erpressung vorgeworfen, in Tateinheit mit vorsätzlichem unerlaubtem Besitz einer Schusswaffe, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilten. Bei einer Kontrolle in einer illegal von ihm genutzten Gartenhütte hatte er am Sonntag vier Polizisten bedroht und ihnen die Dienstwaffen abgenommen. Danach war er im Wald verschwunden.

Den Beamten zufolge soll er sich die vergangenen Tage durchweg in dem unwegsamen Waldgebiet aufgehalten haben. Darauf deuten erste Ermittlungsergebnisse hin. Unterstützung von anderen Menschen soll er in dieser Zeit nicht erhalten haben. Die Hinweise zweier Zeugen sowie die Fährte eines Spürhundes haben die Polizisten am Freitag auf die Spur des Flüchtigen geführt.

Der Mann hatte laut Staatsanwaltschaft in einem Gebüsch gesessen. Vor ihm lagen demnach sichtbar die vier Pistolen, auf seinem Schoß ein Beil. Zudem habe er einen Brief bei sich gehabt. Die Polizei sprach kurz nach der Festnahme von einer Art «Abschiedsbrief» - das Schriftstück müsse aber noch genau untersucht werden. Neben den vier Dienstwaffen wurde auch noch eine weitere Pistole gefunden.

Bei der Waffe soll es sich um eine Schreckschusspistole handeln. Das habe der Verdächtige in seinen umfassenden Angaben gegenüber der Kriminalpolizei geäußert. Bislang habe die Aussage nicht widerlegt werden können. Die Untersuchungen hierzu dauern noch an.

Die Ermittlungen werden nun in zwei Richtungen fortgeführt. Eine Frage sei, was sich bei der Festnahme abgespielt habe: Neben dem 31-Jährigen wurde dabei ein Polizist leicht verletzt. Zunächst war laut Einsatzleiter Jürgen Rieger unklar, ob sich der Mann leicht gewehrt oder aktiven Widerstand geleistet hat. Zudem wird weiter das private Umfeld des Mannes untersucht. Der Mann soll auch von einem Psychiater begutachtet werden - und es wird geprüft, ob er Substanzen, Medikamente oder Rauschmittel genommen hatte.

(it/dpa)