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Pisti und Okey: zwei unterhaltsame Spielimporte aus der Türkei

25.7.2020 12:20 Uhr

Mit der Einwanderung der türkischen Gastarbeiter fanden zwei traditionell türkische Spiele ihren Platz in der deutschen Gesellschaft. Das Stichspiel Pisti sowie Okey, ein Abkömmling aus der Rommé-Familie, sind zwei unterhaltsame Spiele, die besonders in Teestuben eine beliebte Form des Entertainments sind.

Wie Pisti und Okey nach Deutschland kamen

Pisti und Okey werden bis heute größtenteils in Teestuben gespielt, die in Deutschland vermehrt nach den 1980ern infolge der Einwanderung der Gastarbeiter eröffnet worden sind. Errichtet nach dem Vorbild der "kahvehane" bzw. Kaffeehaus in der Türkei dienen sie als wichtige soziale Treffpunkte, in der üblicherweise Karten- oder Okey gespielt oder anregende Diskussionen über Fußball, Wetten und der Heimat geführt werden. Anlass für die Entstehung der Stuben war in erster Linie die Sprachbarriere sowie Unterschiede in der Unterhaltungskultur.

Ein wichtiger Teil der deutschen Kneipenkultur ist der Ausschank von alkoholischen Getränken. Gäste treffen sich abends, um den Tag mit einem Bier auszuklingen lassen. In der Teestube dagegen gibt es keinen Alkohol. Angeboten wird in erster Linie Schwarzer Tee und türkischer Kaffee. Sogar alternative nicht-alkoholische Drinks sind äußerst selten zu finden. Hinzukommt, dass der Besuch der Teestube an jeder Tageszeit stattfinden kann. Kneipen, die zur späten Stunde die Türen öffnen, entsprechen nicht den Bedürfnissen der exzessiven türkischen Teetrinker.

Weiterhin gibt es deutliche Unterschiede in der Spielekultur. Deutsche bevorzugen komplizierte Brett- und Kartenspiele während eines Spieleabends unter Freunden. In Kneipen, die noch Kartenspiele anbieten, spielt man Skat oder Schafskopf. Roulette, Poker oder Blackjack dagegen sind die bevorzugten Klassiker in Online-Casinos oder anderen digitalen Plattformen. Die Türken kennen diese Vielfalt nicht. Die Mehrheit konzentriert sich auf die wenigen Spiele Backgammon, Okey und Pisti und spielt diese zu Hause sowie online mit Begeisterung. Der Hauptort für den Spielespaß ist natürlich die Teestube, in der sich die Gäste mit Begeisterung am Spieltisch zusammenfinden. Nun lasst uns die beiden Spieleimporte aus der Türkei näher anschauen.

Wie wird Pisti gespielt?

Pisti ist, ähnlich wie das deutsche Zwickern, ein schnelles Stichspiel, dass mit 52 Karten von zwei bis vier Leuten gespielt wird. Der Verteiler gibt jedem Spieler im Uhrzeigersinn vier Karten in die Hand. Danach werden drei Karten verdeckt sowie eine offene Karte als Startkarte auf den Tisch dazugelegt.

Das Ziel des Spieles ist so viele Stiche wie möglich zu machen, um alle Karten auf dem Tisch, die sich während des Zuges angesammelt haben, zu erhalten. Ein Stich kann auf zweierlei Weise gemacht werden. Entweder stechen die Spieler mit dem Buben oder mit einer Karte, die den gleichen Wert wie die oberste Karte auf den Tisch hat. Der punktreichste Stich wird Pisti genannt und wird erzielt, wenn bereits mit der ersten Karte des Stapels gestochen wird. Die Person, die den ersten Stich für sich gewinnt, erhält auch die drei verdeckten Karten und darf sie als einziger Spieler anschauen, wodurch der Spieler sich einen taktischen Vorteil verschaffen kann.

Welche Karte ein Spieler während seines Zuges ablegt, ist ganz ihm überlassen. Die davor vom Gegenspieler abgelegte Karte ist nicht von Bedeutung. Sind die vier Karten aufgebraucht, erhalten die Spieler erneut vier Karten vom Deck. Gespielt wird bis alle 52 Karten aufgebraucht sind.

Wie wird Okey gespielt?

Deutlich komplizierter ist das Spiel Okey aus der Rommé-Familie. Gespielt wird mit 106 Spielsteinen zusammengesetzt aus vier unterschiedlichen Farben zu je vier Personen, wobei das Spiel auch mit weniger Personen gespielt werden kann, aber nicht bevorzugt wird. Bevor das Spiel beginnt werden die Steine zu Sechser-Blöcken aneinandergereiht. Danach wird zweimal gewürfelt, um den Standort des Jokers in den aufgestapelten Blöcken zu bestimmen. Der aufgedeckte Stein definiert den Joker. Deckt der Spieler zum Beispiel eine grüne 6 auf, ist in der Runde die grüne 7 der echte Jocker. Im Deck befinden sich zudem zwei falsche Joker, die den ursprünglichen Wert des echten Jokers ersetzen. Nach diesem Schritt verteilt der Geber schließlich jedem Spieler 14 Steine. Der Spieler rechts von ihm bekommt ein Stein extra, da er das Spiel beginnt.

Das Ziel ist die 14 Spielsteine zu vorbestimmten Figuren zu kombinieren. Folgende Sequenzen sind möglich: das Aneinanderreihung von drei oder mehr Steinen der gleichen Farbe nach der Zahlenfolge, das Aneinanderreihung von drei oder vier gleichrangiger Steine in vier verschiedenen Farbe sowie die Kombination aller 14 Steine zu sieben gleichrangingen und gleichfarbigen Paaren.

Nun kann die Runde beginnen. Der Spieler rechts des Gebers wirft einen Stein seiner Wahl ab und beginnt an seiner rechten Seite einen Abwurfstapel zu bilden. Sein Nebenmann kann nun entscheiden, ob er den Stein vom Abwurfstapel des Gegners oder von den Blöcken in der Mitte des Tisches zieht. Gewinner ist derjenige, der am schnellsten seine 14 Steine kombinieren kann. Extrapunkte gibt es, wenn der Joker abgeworfen wird.

Mit Pisti und Okey haben die türkischen Einwanderer die äußerst vielfältige Spielekultur von Deutschland zusätzlich bereichert. Einmal erlernt werden sie nicht nur den türkischen Einwanderern Spaß machen.

(Hürriyet.de)

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