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Patientenmörder Högel zu lebenslanger Haft verurteilt

6.6.2019 10:22 Uhr

Wegen Mordes in 85 Fällen wurde der Ex-Pfleger Niels Högel am Donnerstag vom Landgericht Oldenburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. die Kammer stellte am Donnerstag die besondere Schwere der Schuld fest.

Dadurch sei eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschließt. Ein Gutachter hatte Högel Schuldfähigkeit attestiert, zugleich aber auffällige Persönlichkeitsstörungen festgestellt. Högel zeige Anzeichen von Störungen - ihm fehle es an Scham, Schuld, Reue und Empathie.

Zudem wurde Högel mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann sagte in seiner Urteilsbegründung, bei den Taten Högels handele es sich "um etwas, was jegliche Grenzen sprengt und jeglichen Rahmen überschreitet". Högels Schuld sei "unfassbar". "Herr Högel, Ihre Taten sind unbegreiflich - es ist so viel, dass der menschliche Verstand kapituliert vor der schieren Anzahl der Taten", sagte Bührmann.

Die Anklage hatte in ihrem Plädoyer lebenslange Haft wegen weiterer 97 Morde gefordert. Auch die Verteidigung sprach sich in ihrem Schlussantrag für eine lebenslange Haftstrafe aus, aber wegen 55 Morden und 14 Mordversuchen. Högel musste sich vor dem Landgericht Oldenburg verantworten, weil er über Jahre hinweg schwerkranke Patienten auf Intensivstationen von Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamenten vergiftet haben soll, um sie wiederzubeleben. Viele starben dabei. Angeklagt waren ursprünglich 100 Fälle, die bei systematischen Nachforschungen entdeckt worden waren. Högel hatte zuvor bereits zweimal wegen einzelner Taten vor Gericht gestanden. Er wurde in den Prozessen schon wegen sechs Patiententötungen verurteilt.

(be/dpa/afp)