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Osteoporose: Schleichender Feind im Körper

8.12.2018 10:13 Uhr, von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Der menschliche Körper hat 206 bis 214 Knochen. Säuglinge besitzen noch mehr als 300 Knochen, die allerdings im Laufe der Jahre teilweise miteinander verwachsen.

Das Knochenskelett des Menschen stabilisiert den Körper, ermöglicht die notwendige Statik für einen aufrechten Gang und schützt die Organe und Nerven. Das Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Knochen ermöglicht den Menschen seine Beweglichkeit, wie beispielsweise die vielen motorischen Fähigkeiten der Hände. Außerdem schützen die Knochen die Organe. So schützt der Schädelknochen das empfindliche Gehirn und die Wirbelkörper der Wirbelsäule das Rückenmark vor Einengungen und Verletzungen.

Knochen verlieren an Masse

Die Knochen des menschlichen Körpers werden durch den Stoffwechsel beständig auf- und abgebaut. Im Laufe der Jahre verliert der Knochen allerdings an Masse, weil ab einem bestimmtem Alter mehr Knochen abgebaut als aufgebaut wird. Wird dauerhaft mehr Knochen abgebaut, führt dies dazu, dass der Knochen weich und brüchig wird. Der Körper verliert an Stabilität, was sich bei älteren Menschen häufig an einer Verkrümmung der Wirbelsäule und einer Verringerung der Körpergröße zeigt.

Sechs Millionen Menschen davon betroffen

In Deutschland leider mehr als sechs Millionen Menschen an Osteoporose, 20 Prozent davon befinden sich in ärztlicher Behandlung. Die meisten davon sind Frauen. So leiden 35 Prozent der Frauen an Osteoporose, allerdings lediglich 20 Prozent der Männer. Die Erkrankung wird mit steigendem Alter häufiger und meistens wird Osteoporose ab dem 65. Lebensjahr festgestellt, bei Frau allerdings bereits in jüngeren Jahren.

Jährlich 300.000 Knochenbrüche

Bereits ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochendichte bei Menschen ab, bei Frauen beginnt dieser Prozess bereits früher. Der Mensch verliert dann ca. ein Prozent seiner Knochenmasse pro Jahr. In Deutschland verzeichnen wir jedes Jahr 300.000 Knochenbrüche durch Osteoporose. Meist sind hiervon die Oberschenkelknochen, Wirbelkörper und Handknochen betroffen. Beispielsweise neigt der Wirbelkörper dazu zu brechen, wenn er mehr als 25 Prozent seiner Masse verliert. Neben den Knochenbrüchen leiden die Patienten auch an starken Schmerzen, die durch die Osteoporose ausgelöst werden.

Beschleunigende Faktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Osteoporose beschleunigen können. Durch falsche Ernährung und fehlende Bewegung, aber auch Rauchen, den Genuss von Kaffee und Alkohol oder durch bestimmte Medikamente, wie beispielsweise Cortison, nimmt die Osteoporose zu. Auch der Mangel an dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen begünstigt die Entstehung einer Osteoporose.

Kalzium und Vitamin D sind wichtig

Einen Knochenabbau kann man verlangsamen, indem man den Knochenaufbau verbessert. Um mehr Kalzium in den Knochen einzuspeichern, muss man einerseits täglich Kalzium durch Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Hülsenfrüchte oder Fleisch zu sich nehmen. Andererseits benötigt der Körper Vitamin D, damit das Kalzium durch den Dünndarm aufgenommen und im Körper verteilt werden kann. Vitamin D produziert der Körper bei Sonnenbestrahlung der Haut selbst. Allerdings ist dies, bedingt durch die geographische Lage Deutschlands, häufig nicht ausreichend.

Anfänglich symptomfrei und schmerzlos

Da Osteoporose eine Erkrankung ist, die schleichend verläuft und am Anfang häufig vollkommen symptomfrei und schmerzlos ist, sollte man von seinem Arzt die Knochendichte feststellen lassen. Außerdem ist es ratsam, seinen Vitamin D- und seinen Kalzium-Spiegel durch einen Bluttest bestimmen zu lassen. Ist der Vitamin-D-Spiegel zu gering, kann nur ungenügend Kalzium in den Knochen eingespeist werden. In diesem Fall ist es notwendig, dass man zusätzlich Vitamin D zu sich nimmt. Ist die Knochendichte bereits reduziert, kann man durch eine angepasste gesunde Ernährung und mehr Bewegung den weiteren Abbau der Knochenverdichte verlangsamen oder sogar stoppen.

Alle Bewegungsarten, die einem Druck auf den Knochen auslösen, dienen dazu, dass mehr Knochenmaterial aufgebaut wird. Dies sind zum Beispiel Reiten, Laufen oder Fahrradfahren. Schwimmen gilt zwar als sehr gelenkschonend, allerdings führt es nicht zum Aufbau von Knochen, da zu wenig Druck auf den Knochen ausgeübt wird.

Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch - Deutsche Gesundheitsstiftung