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Original-Tagebücher der Anonyma untersucht

24.6.2019 17:29 Uhr

Unter dem Namen Anonyma wurde das Buch „Eine Frau in Berlin“ von der Journalistin Marta Hillers veröffentlicht. Nun liegen die ursprünglichen Tagebücher über die letzten Kriegsmonte in Berlin vor.

Das 2003 in der "Anderen Bibliothek" erschienene Buch, später mit Nina Hoss in der Hauptrolle verfilmt, war ein Bestseller und löste Kontroversen um namenlose Autorin und historische Authentizität aus.

Das bislang unzugängliche Original ist nun vom Münchner Institut für Zeitgeschichte untersucht worden. „Erstmals ist es möglich, die Geschichte der Anonyma und ihres Tagebuchs umfassend nachzuzeichnen“, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. Zuvor hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Bericht aus dem zerstörten Berlin

Die Autorin beschreibt ihre Erfahrungen im zerbombten Berlin kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs mit den brutalen Vergewaltigungen durch die Sieger. Die Historikerin Yuliya von Saal hat die Aufzeichnungen für das Institut ausgewertet. „Marta Hillers hat mit ihrem Tagebuch ein faszinierendes Zeitdokument vorgelegt und es steht außer Zweifel, dass die einzelnen Bearbeitungsstufen vom Original zum Buch aus ihrer eigenen Feder stammen“, wird sie zitiert.

Die Aufzeichnungen seien für das Buch allerdings „erkennbar bearbeitet“, Namen, Orte und persönliche Eigenschaften verändert worden. Fehlinformationen, die im umkämpften Berlin kursierten und im Original enthalten seien, habe Hillers für die Buchfassung korrigiert. Dennoch stellten die Aufzeichnungen und ihre literarische Verarbeitung ein wertvolles Zeitdokument dar.

(an/dpa)