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Oppositionsführer Jeremy Corbyn unter Druck

7.11.2019 17:29 Uhr

Zum Wahlkampfauftakt gerät der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn unter Druck. Immer wieder hat seine Partei und auch er persönlich mit Antisemitismus-Vorwürfen zu kämpfen. Und dann ist auch noch überraschend sein Stellvertreter Tom Watson zurückgetreten.

Der stellvertretende Labour-Vorsitzende Tom Watson, der als erklärter Verfechter eines Verbleibs des Königreiches in der Europäischen Union gilt, erklärte am Mittwochabend überraschend seinen Rücktritt. Am Donnerstag bezweifelte dann der frühere Labour-Minister Ian Austin die Eignung Corbyns als Premierminister und warf ihm Antisemitismus vor. Zudem rief der "Jewish Chronicle", der als Sprachrohr der jüdischen Gemeinde in Großbritannien gilt, dazu auf, Corbyn die Stimme zu verweigern.

"Persönlich, nicht politisch"

Watson erklärte zu seinem Rücktritt: "Diese Entscheidung ist persönlich, nicht politisch." Allerdings wurde angesichts des Zeitpunkts exakt zum Wahlkampfauftakt allgemein von einer gezielten Attacke gegen den Parteichef ausgegangen. Watson will Großbritannien unbedingt in der EU halten und liegt damit nicht auf einer Linie mit Corbyn, der sich im Brexit-Streit nicht auf eine Position festlegen will. Im September war der moderate Watson auf dem Labour-Parteitag nur knapp einer von Corbyn-Vertrauten angestrebten Entmachtung entgangen. Der dem linken Flügel angehörende Parteichef versicherte damals, er habe im Vorfeld nichts von dem Manöver seiner Vertrauten gewusst. Am Donnerstag dann riet Ex-Minister Austin davon ab, die Labour-Partei zu wählen. Stattdessen sollten die Wähler der konservativen Tory-Partei ihre Stimme geben. Zur Begründung führte Austin an, dass Corbyn "unfähig" sei, das Amt des Premierministers auszuüben. Er verwies in der BBC vor allem auf den "Antisemitismus, der die Partei unter der Führung von Jeremy Corbyn vergiftet hat".

Aufruf, nicht die Labour-Partei zu wählen

Ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte der "Jewish Chronicle" im Internet einen äußerst seltenen Aufruf an nicht-jüdische Leser. Darin werden diese aufgefordert, mit ihrer Stimme ein Zeichen gegen "Rassismus" zu setzen - und nicht Corbyn zu wählen. Laut einer vom "Jewish Chronicle" zitierten Umfrage glauben 87 Prozent der in Großbritannien lebenden Juden, dass Corbyn antisemitische Überzeugungen habe.In der Labour-Partei wird seit Monaten über Antisemitismus in den eigenen Reihen debattiert. Corbyn hatte im vergangenen Jahr eingeräumt, dass Labour ein "echtes Problem" mit Antisemitismus habe. Dem Palästina-Aktivisten wurde auch selbst immer wieder Antisemitismus vorgeworfen.

(be/afp)

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