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Online-Sportwettenanbieter: Was sagt die Branche zur neuen Regulierung?

16.4.2020 13:53 Uhr

Das Glücksspiel wird mit der Erneuerung des Glücksspielstaatsvertrags neu reguliert und dieses Mal werden auch die Online-Wettanbieter komplett mitberücksichtigt. Doch mit einer Regulierung kommen zumeist eben Regulierungen. Was sagt die Branche zu den geplanten Änderungen und Anforderungen? Ist sie zufrieden oder wünscht sie Nachbesserungen bei den Entwürfen?

Regulierung grundsätzlich positiv

Vom Grundsatz her begrüßen die Vertreter der Branche sowie der Deutsche Sportwettenverband die Regulierung. Immerhin wurde für diese lange Zeit gekämpft, denn das Online-Glücksspiel war bislang außen vor und unterlag keine Regulierungen und damit auch keiner deutschen Lizenzierung. Aber was bedeutet das?

Ende der Grauzone – die Sportwetten des Internets mussten größtenteils in einer Grauzone angeboten werden. Einzig Schleswig-Holstein gab Lizenzen aus, doch galten diese nur für das Bundesland. Um Spieler in anderen Bundesländern zu bedienen, musste auf eine EU-Lizenz, meist von Malta, zurückgegriffen werden. Dieser Umweg entfällt, wenn Sportwettenanbieter unter "deutscher Flagge" arbeiten dürfen.

Keine Unsicherheit für Spieler – etliche Wettinteressierte waren unsicher, ob sie einfach im Internet tippen dürfen, da in Zeitungen häufiger vom »illegalen Wettspiel« berichtet wurde. Diese Aussage war tückisch, denn die Anbieter arbeiteten legal unter EU-Recht. Dies wussten Spieler jedoch nicht, sodass sie bei Unsicherheit eher vom Spiel abließen.

Lizenzregeln – wer in Deutschland eine Lizenz beantragt, muss feste Bestimmungen einhalten. Sportwettenanbieter werden künftig also vom selben Standpunkt aus starten.

Auch die Idee einer zentralen Glücksspielbehörde, die nun nach Sachsen-Anhalt geht, wird positiv aufgenommen, da so Fragen an eine zentrale Stelle gerichtet werden können, ohne dass jedes Bundesland unterschiedliche Antworten auf gleiche Fragen geben kann. Trotzdem ist die Branche mit der bisherigen Ausarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags nicht zufrieden.

Verband kritisiert konkrete Regelungen

Die bisher ausgearbeiteten Regelungen beinhalten Positionen, die nicht allein der Sportwettenverband kritisiert, sondern auch von einigen Datenschützern skeptisch betrachtet werden:

Live-Wetten – diese Regelung bemängelt der Verband besonders. Live-Wetten sollen verboten beziehungsweise markant eingeschränkt werden. Unter Live-Wetten werden diejenigen Wetten gezählt, die während eines Sportereignisses wie ein Fußballspiel, meist noch bis kurz vor Schluss, abgegeben werden können. Zu ihnen zählen auch die Ereigniswetten, bei denen auf ein Ereignis während des Spiels zu einem Zeitpunkt gesetzt werden kann (Wer bekommt die Rote Karte wann?). Diese Wetten sind besonders beliebt, allerdings werden sie auch mit einer erhöhten Suchtgefahr in Verbindung gebracht. Das Problem ein einem Verbot wäre, dass Spieler vermutlich einfach zu illegalen Anbietern gehen würden. Dies lässt sich mit »Game of Thrones« vergleichen, der meist gestohlenen Serie aller Zeiten. Da viele vom regulären Schauen ausgeschlossen waren, suchten sie sich online illegale Möglichkeiten. Bei einem Verbot von Live-Wetten ist das ebenso, zumal die Wettinteressierten schon jetzt wissen, wo sie entsprechende Anbieter finden.

Einsatzlimit – es gibt ein fixes monatliches Einsatzlimit von 1.000 Euro. Noch ist nicht vollständig geklärt, wie sich das Limit zusammensetzt. Handelt es sich um ein Limit bei einem einzigen Anbieter oder werden die Einzahlungen bei verschiedenen Anbietern zusammengezählt? Wird allgemeines Glücksspiel und Online-Sportwetten zusammen berechnet? Bei Online-Casino wird ebenfalls ein solches Limit gelten. An dieser Stelle greift das Datenschutzbedenken.

Mehrfachaccounts – sie sollen verboten werden, doch auch hier ist nicht alles geklärt. Es stellt sich beispielsweise die Frage, ob die Accounts nur nicht gleichzeitig genutzt werden dürfen. Wäre es gar nicht möglich, einen zweiten Account bei einem anderen Anbieter anzulegen, hätten Spieler keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mehr und könnten Tipps nicht anhand der Quoten platzieren. Die gleichzeitige Nutzung hingegen wirft Datenschutzbedenken auf.

Datenschutz – er beginnt bei der Sperrdatei, die kommen wird und deren Einträge in der Bundesbehörde gesammelt werden. Doch auch eine Überwachung des Einzahlungslimits oder der Nutzung von mehreren Accounts greift automatisch in den Datenschutz ein. Hier müssen automatisch massive Datenmengen gespeichert, an die Behörde übertragen und abgeglichen werden, dass Datenschutzexperten ihren Unwillen schon offenbart haben. Ein Beispiel: Würde das Einzahlungslimit übergreifend für alle Glücksspielarten im Internet gelten, so müssten die Tippgebühren beim Lottospiel mit denen vom Eurojackpot addiert werden, hinzu kamen die Sportwetten bei Anbieter A und bei Anbieter B. Spielt dieser Nutzer nun noch Poker im Online-Casino und zahlt dort einen Betrag ein, werden weitere Daten bekannt. Letztendlich stellen alleine diese Einzahlungen ein Bewegungsprofil dar.

Nachdem die Ministerpräsidenten dem Entwurf zustimmten, kommt nun die weitere Ausarbeitung und Umsetzung des Vertrags.

Was könnte sich für Tipper dadurch verändern?

Für den Sportwetten-Tipper ist die Regulierung zuerst einmal ein Stück Sicherheit. Die Anbieter werden kontrolliert, arbeiten korrekt und bieten ein legales Spiel an. Dennoch werden sich Tipper wohl einschränken müssen:

Verbote – die Live-Wetten würden, sollte der bisherige Kurs beibehalten werden, wegfallen. Das ist für viele Tipper ein drastischer Einschnitt, denn diese Wetten machen nicht nur Spaß, sie sind auch ohne viel Hintergrundwissen spielbar.

Einzahlungslimit – für den gewöhnlichen Tipper dürfte dieser Punkt nicht von Interesse sein, da 1.000 Euro monatlich für Einzahlungen für diese Gruppe mehr als ausreichend ist. Professionelle Tipper hingegen hätten massive Einschnitte. Kompliziert wird dieser Punkt jedoch, wenn das Online-Glücksspiel allgemein zusammengefasst und die jeweiligen Einzahlungen addiert werden.

Vergleichsmöglichkeiten – selbst wenn sich das Verbot nur auf die gleichzeitige Nutzung von Mehrfachaccounts bezieht, so verlangsamt sich das Wettspiel. Loggen sich heute Tipper gleich in verschiedenen Tabs in mehrere Wettstudios ein und vergleichen die Quoten, so können sie das später nur noch hintereinander machen. Gerade bei Wetten kurz vor dem Spiel kann das zu Nachteilen führen.

Tippfreunde sollten jedoch auch künftig einen genauen Blick auf die Anbieter werfen – so lässt sich am Ende das Maximum herausholen.

Sportwetten-Anbieter könnten durch die Regulierungen Verluste erleiden. Bildquelle: Thomas Serer / Unsplash.com

Fazit – das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Bis die letzte Fassung der Schriftstücke geschrieben ist, werden trotz Einigung der Ministerpräsidenten wohl noch Diskussionen ins Land gehen. Zu viele Punkte sind strittig, insbesondere unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Allerdings bleibt den Beteiligten nicht mehr viel Zeit, denn im Sommer 2021 läuft der jetzige Glücksspielstaatsvertrag aus und muss somit erneuert werden.

(Hürriyet.de)

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