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Olympia-Gold nach sechs Jahren für Biathleten?

15.2.2020 16:37 Uhr

Der Gewinn von Olympia-Gold mit jahrelanger Verspätung rückt für die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp immer näher. Der russische Olympiasieger Jewgeni Ustjugow wurde vom Weltverband des Dopings für schuldig befunden, wie die IBU am Rande der WM im italienischen Antholz mitteilte. Sämtliche Ergebnisse des 34-Jährigen vom 27. August 2013 bis zum Ende der Weltcupsaison 2013/14 wurden für ungültig erklärt.

Weil Ustjugow zum Sieg-Quartett der Russen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gehörte, disqualifizierte ihn die IBU dafür nachträglich und verhängte zudem eine Zweijahressperre ab Urteilsverkündung. Damit könnte das deutsche Quartett sechs Jahre nach Silber noch zum Olympiasieger werden.

Goldmedaille in der "Nachspielzeit"?

Denn sollte das Internationale Olympische Komitee dieser Entscheidung folgen, würde den Russen das Sotschi-Gold aberkannt werden. Ustjugow kann aber innerhalb von 21 Tagen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegen. Neben Ustjugow wurde am Samstag auch Olympiasiegerin Swetlana Slepzowa wegen Dopings im Zeitraum zwischen dem 22. März 2013 bis Ende der Saison 2013/14 von sofort an für zwei Jahre gesperrt und ihre Ergebnisse annulliert. Beide haben Doping immer bestritten und ihre Karrieren bereits beendet.

"Wenn es so kommen sollte, würden wir die Siegerehrung im Garten nachspielen. Ich würde mich sehr darüber freuen, irgendwann Olympiasieger zu sein", hatte Lesser gesagt, als das Doping-Gerücht einmal mehr die Runde machte. Lesser, Böhm, Peiffer und Schempp hatten bei den Winterspielen 2014 das Duell mit den Gastgebern um Schlussläufer Anton Schipulin erst im Zielsprint verloren.

"Besser späte Gerechtigkeit als keine"

"Besser späte Gerechtigkeit als keine. Wenn wir nachträglich Gold bekommen würden, wüssten wir, dass wir die Besten waren. Selbst wenn du das Ding in einem schmucklosen Paket bekommst. Aber du holst es raus und sagst, das ist meins", sagte Peiffer, der dann zweimaliger Olympiasieger wäre. Der damalige Schlussläufer Schempp meinte: "Wir glauben es erst, wenn wir die Medaille haben."

Der Weltverband hatte bereits im November 2018 die Verfahren gegen Ustjugow, Slepzowa und zwei weitere russische Biathleten auf Grundlage der Moskauer LIMS-Daten eröffnet. Bereits damals hatte die IBU eng mit der Weltantidoping-Agentur Wada zusammengearbeitet.

Datensätze im Kontrolllabor manipuliert

Die Russen, so urteilte der Biathlon-Verband, hätten die Daten von Ustjugow und auch von Slepzowa, der Staffel-Olympiasiegerin von 2010, im Moskauer Kontrolllabor manipuliert. In der jetzigen Urteilsbegründung hieß es, bei beiden seien verbotene Substanzen nachgewiesen worden. Der 34 Jahre alte Ustjugow hatte seine Karriere nach den Winterspielen in seiner Heimat beendet, Doping hat er ebenso wie Slepzowa stets bestritten.

Erst am Donnerstag hatte die im Vorjahr neu gegründete und unabhängig vom Weltverband agierende Biathlon Integrity Unit (BIU) mitgeteilt, dass sie Ustjugow wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln aufgrund von Anomalien in seinem biologischen Blutpass im Zeitraum zwischen Januar 2010 bis Februar 2014 angeklagt hat.

Ustjugow kündigte daraufhin an, juristisch dagegen vorzugehen. Er habe vor einem staatlichen Gericht Klage gegen den Biathlon-Weltverband IBU eingereicht, teilte der russische Verband am Donnerstag mit. Zum ersten Mal sei ein staatliches Gericht in einem solchen Fall eingeschaltet worden und nicht ein Sportschiedsgericht.

(ce/dpa)

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