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Offen gegen Trump: US-Senatoren beschuldigen saudischen Kronprinz

5.12.2018 8:36 Uhr

Für führende Parteikollegen von US-Präsident Donald Trump im Kongress steht die Verwicklung des saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi unumstößlich fest.

Der republikanische Vorsitzende des Außenausschusses im Senat, Bob Corker, sagte in Washington nach einem Treffen mit CIA-Chefin Gina Haspel, er habe "null Zweifel", dass der Thronfolger das Verbrechen angeordnet habe.

"In weniger als 30 Minuten verurteilt"

Wenn Prinz Mohammed in einem Prozess vor Geschworenen stünde, "würde er in weniger als 30 Minuten verurteilt werden", sagte Corker. Auch der prominente republikanische Senator Lindsey Graham konstatierte, der Kronprinz sei "mitschuldig". Haspel hatte eine kleine Gruppe von Senatoren über den Kenntnisstand des Geheimdienstes zu dem Mordfall unterrichtet.

Die Senatoren gingen mit ihren Erklärungen auf scharfe Distanz zu Trump. Der Präsident führt ins Feld, für eine Beteiligung des Kronprinzen an dem Mord gebe es keine Beweise, und will an der Partnerschaft seiner Regierung mit Riad festhalten. Diese Linie hatten auch Außenminister Mike Pompeo und Pentagonchef Jim Mattis in der vergangenen Woche bei einer Anhörung hinter verschlossenen Türen im Senat vertreten.

Nachrichten an das Tötungskommando verschickt?

Laut US-Medienberichten geht die CIA mit "mittlerer bis hoher" Sicherheit davon aus, dass Prinz Mohammed die Ermordung des regierungskritischen Journalisten in Auftrag gegeben hatte. So soll der Thronfolger vor und nach der Tat mindestens elf Nachrichten an seinen Berater Saud al-Kahtani verschickt haben, der das 15-köpfige Tötungskommando gesteuert haben soll.

Khashoggi war am 2. Oktober nach einem Besuch des saudiarabischen Konsulats in Istanbul verschwunden. Erst nach wochenlangem internationalem Druck gab Riad zu, dass Agenten des Königreichs den Journalisten getötet hatten. Die saudiarabische Führung weist aber den Vorwurf zurück, die Tötung angeordnet zu haben.

Republikanische Senatoren befinden sich auch hinsichtlich der saudiarabischen Beteiligung am Bürgerkrieg in Jemen auf Konfrontationskurs zur Trump-Regierung. Mit ihrer Unterstützung wurde in der vergangenen Woche ein überparteilicher Resolutionsentwurf auf den Weg gebracht, der ein Ende der US-Unterstützung für die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz im Jemen-Krieg fordert.

(bl/afp)