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Oberstes Gericht in der Türkei vertagt Entscheidung über Hagia Sophia

3.7.2020 11:25 Uhr

Bleibt die Hagia Sophia ein Museum oder wird aus dem berühmten Bauwerk in Istanbul wieder eine Moschee? Das oberste Verwaltungsgericht der Türkei in Ankara hat die Anhörung beendet und will nun in spätestens 15 Tagen eine schriftliche Erklärung abgeben.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. ("Der Eroberer") die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an.

Pro-Moschee-Anwälte: Atatürk-Unterschrift ungültig

Genau mit diesem Beschluss des Ministerrats beschäftigte sich nun das Oberste Verwaltungsgericht. Die Pro-Moschee-Anwälte drängen auf eine Annullierung des Beschlusses des Ministerrats von 1934. Die Unterschrift von Atatürk sei ungültig, argumentierten sie. Die Staatsanwaltschaft empfahl dem Gericht, die Forderung abzulehnen. Nur die Regierung könne darüber entscheiden, ob das Unesco-Weltkulturerbe wieder in eine Moschee umgewandelt wird.

Der in Istanbul lebende Patriarch Bartholomäus I., der als das geistige Oberhaupt der orthodoxen Christen der Welt gilt, forderte die Türkei Anfang dieser Woche auf, die Hagia Sophia als Museum zu erhalten. Eine Umwandlung in eine Moschee würde "Millionen von Christen auf der ganzen Welt gegen den Islam aufbringen“, sagte er.

"Hagia Sophia innere Angelegenheit der Türkei"

Der Status der Hagia Sophia ist ein Politikum und wird nicht nur in der Türkei, sondern weltweit seit Jahren heiß diskutiert. Zuletzt hatte sich auch die USA in die Debatte eingeschaltet. Außenminister Mike Pompeo sagte in einer Erklärung, dass der Status des Museums "als ein Beispiel für die Verpflichtung der Türkei, die Glaubenstraditionen und die vielfältige Geschichte, die zur Republik Türkei beigetragen haben, zu respektieren und sicherzustellen, dass sie für alle zugänglich bleibt", beibehalten werden sollte.

Mit deutlichen Worten reagierte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Hami Aksoy, auf die Äußerungen Pompeos. Die Türkei schütze alle ihre Kulturgüter ohne jegliche Diskriminierung im Rahmen der Tradition und der Toleranz gegenüber der Kultur und Geschichte des Landes, sagte er. "Die Haghia Sophia, die sich in unserem Land befindet, ist Eigentum der Türkei. Jede Entscheidung dazu ist unsere innere Angelegenheit als Teil der souveränen Rechte der Türkei", ergänzte er.

(mb/dpa)

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