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OB erhält vor Trauermarsch in Worms Morddrohung

9.3.2019 14:00 Uhr

Droht der Trauermarsch in Worms, bei dem einer 21-Jährigen gedacht werden soll, die von ihrem Freund erstochen wurde, zu eskalieren? Oberbürgermeister Michael Kissel von der SPD muss von der Polizei geschützt werden, da er vor dem Trauermarsch, den Radikale sicherlich für sich ausschlachten wollen, Morddrohungen erhielt. Morddrohungen sind jedenfalls kein Ausdruck von Trauer.

Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er aber nicht sagen, um welche Schutzmaßnahmen es sich dabei genau handelt, die der OB von Worms erhält. Am Samstagabend war in Worms in Rheinland-Pfalz ein Trauermarsch geplant, den Angehörige und Freunde organisieren. Es sei noch völlig unklar, wie viele Teilnehmer sich der Aktion anschließen, sagte der Sprecher. Die Polizei sei im Einsatz und begleite den Marsch. Neue Erkenntnisse zu der Tat gebe es nicht.

Vom Freund erstochen worden

Der Rathauschef der Domstadt hatte sich nach dem Tod der jungen Frau öffentlich geäußert und die Wormser zum Zusammenhalt aufgerufen. In einer Stellungnahme auf der Homepage von Worms hieß es: "Nur gemeinsam kann die Stadt diese unfassbare Tat verarbeiten." Und weiter: "Lassen Sie uns gemeinsam trauern und lassen Sie uns die Familie unserer Anteilnahme gewiss sein. Wir können der Familie ihr Leid nicht nehmen, aber wir können alles dafür tun, dass sie ihre Trauer in Ruhe verarbeiten kann." Über die Drohungen hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Das 21 Jahre alte Opfer war in der Nacht zum Mittwoch in ihrem Elternhaus in Worms getötet worden. Dort wohnte sie im obersten von drei Stockwerken. Die junge Frau starb nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft an mehreren Messerstichen. Insgesamt erlitt sie zehn bis 15 Stich- und Schnittverletzungen im Rücken, am Hals, in der Lunge und an den Händen. Ihr 22 Jahre alter tunesischer Freund, der den Ermittlern zufolge zeitweise in dem Haus in Worms zu Gast war, sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Sein Motiv ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft erwägt eine psychiatrische Begutachtung des abgelehnten Asylbewerbers aus Tunesien.

Täter ohne festen Wohnsitz konnte nicht zur Abschiebung festgenommen werden

Der Mann hatte sich am frühen Morgen nach der Tat der Polizei gestellt und erklärt, seine Freundin in einem Beziehungsstreit getötet zu haben. Die mutmaßliche Tatwaffe, ein langes Küchenmesser, wurde sichergestellt. Ein im Oktober 2017 in der Zuständigkeit des Regierungspräsidiums Karlsruhe gestellter Asylantrag des Mannes war abgelehnt worden, zunächst hatte er daraufhin eine Duldung bekommen.

Nachdem die zuständige Ausländerbehörde entschieden hatte, ihn abzuschieben, war nach ihm gefahndet worden. Seine einzige Meldeadresse war nach Polizeiangaben die Erstaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe, zuletzt soll er keinen festen Wohnsitz gehabt haben.

Der mutmaßliche Täter war der Polizei schon länger bekannt, den Angaben zufolge wegen Körperverletzungen, Drogendelikten, Bedrohung und Nötigung. Außerdem habe er im Oktober vergangenen Jahres eine dreiwöchige Haftstrafe wegen Diebstahls abgesessen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte mitgeteilt, dass der 22-Jährige mehrere Aliasidentitäten benutzt hat. Im Oktober vergangenen Jahres sei er aus der Erstaufnahme untergetaucht.

(ce/dpa)