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NRW-Chef der Polizeigewerkschaft Rettinghaus: Im Fall Lügde darf nichts unter den Tisch gekehrt werden

22.2.2019 10:34 Uhr

Nachdem bekannt wurde, dass über 150 Datenträger mit Beweismitteln im Missbrauchsfall von Lügde "verschwunden" sind, fordert die Polizeigewerkschaft lückenlose Aufklärung.

"In keinem Strafverfahren dürfen Beweismittel verschwinden - das geht überhaupt nicht", sagte der NRW-Chef der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus, der "Rheinischen Post" vom Freitag. "Aber zunächst gilt die Unschuldsvermutung. "Nun müsse gründlich ermittelt werden, betonte Rettinghaus. "Nichts darf unter den Tisch gekehrt werden, man muss transparent mit dem Fall umgehen."

155 Datenträger bei der Kreispolizei Lippe abhanden gekommen

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass bei der Kreispolizei Lippe 155 Datenträger abhanden gekommen waren. Die CDs und DVDs hatten Ermittler im Fall des jahrelangen Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz von Lügde bei dem 56-jährigen Hauptverdächtigen beschlagnahmt. Zuletzt waren die in einem Aktenkoffer und einer Hülle gelagerten Dastenträger im vergangenen Dezember in einem Auswertungsraum der Kriminalpolizei in Detmold gesehen worden, ihr Verlust wurde aber erst rund sechs Wochen später festgestellt.

Sonderermittler ausgeschickt

Zur Aufklärung der Vorfälle entsandte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) fünf Beamte des Düsseldorfer Landeskriminalamts als Sonderermittler nach Detmold. Die Kreispolizei in Lippe räumte am Donnerstagabend "eklatante Fehlleistungen" bei den Ermittlungen im Fall Lügde ein. "Diese hätten nicht geschehen dürfen", erklärte die Behörde. Die Missbrauchsserie von Lügde war am 30. Januar bekannt geworden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden auf dem dortigen Campingplatz "Eichwald" über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren mindestens 31 Kinder missbraucht. Die meisten der 27 Mädchen und vier Jungen waren zur Tatzeit zwischen vier und 13 Jahre alt. Drei Tatverdächtige in dem Fall sitzen in Untersuchungshaft.

(be/afp)