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Norbert Blüm – Hürriyet trauert um einen Freund

24.4.2020 22:32 Uhr, von Chris Ehrhardt

Im März 1985 traf eine Auswahl von Abgeordneten des Bundestags auf eine Auswahl an türkischen Journalisten in Deutschland. Alle Journalisten kamen damals von der Hürriyet, die sich schon vor 35 Jahren als Brückenbauer zwischen den Welten sahen. Und auch heute noch, mehr als 35 Jahre später, ist vielen Beteiligten der Hürriyet das Spiel – dem noch zwei weitere Matches folgen sollten – in bester Erinnerung. Ganz besonders Norbert Blüm, der damalige Arbeitsminister im Kabinett von Helmut Kohl. Norbert Blüm ist am heutigen 24. April 2020 im Altern von 84 Jahren verstorben.

Zwischen den "altgedienten Journalisten-Haudegen" der Hürriyet glühten am heutigen Freitag die Drähte. Ein Freund war von ihnen gegangen, Norbert Blüm. Und sie alle erinnerten sich an den 14. März 1985. Damals spielte eine Auswahl von Abgeordneten des Bundestages gegen eine Auswahl der Hürriyet in Bonn. Ganz in der Nähe des Parlaments. Und Norbert Blüm war zugegen. Zumindest machte er den Anstoß und schoss gegen den damaligen Chefredakteur der Hürriyet, Nezih Akkutay, der im Tor der Hürriyet stand, einen Elfmeter. Ein Tor blieb ihm jedoch versagt – er schoss das Leder an die Latte.

Norbert Blüm tritt zum Elfmeter gegen Hürriyet-Chefredakteur Nezih Akkutay an - Quelle: imago images / Dieter Bauer

Und alle Beteiligten von damals, mit denen wir heute gesprochen haben, erinnern sich voller Ehrfurcht und Erstaunen an "Blümi". Ein Mann, der keinerlei Berührungsängste zeigte, jedem türkei-stämmigen Journalisten ein nettes Wort entboten hat und bei dem die Kollegen von einst das Gefühl erhielten "Der Blüm, der ist einer von uns". Überhaupt galt das auch für das komplette Team der Abgeordneten. Otto Schreiner, SPD und bereits im April 2013 verstorben, prallte mit dem Keeper Nezih Akkutay zusammen, erlitt einen Kreuzbandriss. Nach seiner Rekonvaleszenz reiste Schreiner dann nach Cesme und erholte sich für eine Woche in Kreisen der Hürriyet. Doch zurück zu Blüm.

Das Team der Hürriyet von 1985 mit Norbert Blüm - Quelle:imago images / Dieter Bauer

Blüms politische Karriere war geprägt von einer innigen Freundschaft zu Gastarbeitern im Lande und besonders zu den türkei-stämmigen Menschen. So erzählte Ahmet Külahci heute, wie sehr Blüm den türkischen Menschen in Deutschland verbunden war. Er besuchte Teehäuser und Familien, trank dort Kaffee – ohne Zucker. Und er war der türkei-stämmigen Bevölkerung in Deutschland für das, was sie zur Entwicklung des Landes beigetragen hatten, dankbar. So war der bevorzugte Schneider von Norbert Blüm in Bonn türkischer Herkunft und das blieb er bis zu seinem Tod. Zuletzt sah er ihn vor circa zehn Tagen – da bereits schwer angeschlagen.

Norbert Blüm im Interview mit Ahmet Külahci

Und natürlich gibt es auch noch die eine oder andere Anekdote zum Fußballspiel. So tauschte zum Beispiel Ibrahim Gül mit Norbert Blüm das Trikot und erhielt vom Arbeitsminister dessen Jacke im Gegenzug. Als er die Jacke von Ibrahim "Ibo" Gül zurückerhielt, merkte Blüm spaßend an "Und wo ist jetzt mein Portemonnaie?" Überhaupt war Blüm am Abend bei einem Büffet mit rund 100 Gästen der Spaßmacher Nummer 1, wie sich Ercüment Aytun erinnerte. Es war ein Abend, an dem viel gelacht, gespaßt, gegessen und getrunken wurde. Blüm selbst hatte vor jeden ein offenes Ohr, stellte sich jedem Gespräch. Und die Meinung aller damals Beteiligten, mit denen heute gesprochen wurde, war selten zuvor so einhellig: "Mit Norbert Blüm verlieren wir als Hürriyet, als Zuwanderer aus der Türkei und auch als Türkei einen Freund." Die Hürriyet-Familie Deutschland jedenfalls bedankt sich für die tollen Momente und die schönen Erinnerungen mit Norbert Blüm. Möge er in Frieden ruhen.

Norbert Blüm mit Schiedsrichter Walter Eschweiler von dem Spiel gegen das Team der Hürriyet von 1985 - Quelle:imago images / Dieter Bauer

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