dpa

Nkunku verzückt Leipzig

1.3.2020 13:12 Uhr

Immer wenn er Christopher Nkunku begegnet, fühlt sich Julian Nagelsmann wie zu Hause. "Er begrüßt und verabschiedet sich von mir auf Bayrisch", sagt der Trainer von RB Leipzig und gibt grinsend zu: "Da fühle ich mich ein wenig heimisch." Der in Lagny-sur-Marne östlich von Paris geborene Nkunku hat mit Nagelsmanns Heimat Bayern eigentlich wenig am Hut, er besitzt dem Vernehmen nach auch keine Lederhose.

Doch sein Begrüßungsritual zeigt, dass der Mittelfeldspieler in Leipzig nach gut acht Monaten voll integriert ist - und selbst viel dafür getan hat. Neben dem Platz wird Nkunku für seine bodenständige Art geschätzt, auf dem Rasen zählt er längst zu den wichtigsten Spielern der Leipziger Erfolgssaison. Zuletzt bereitete Nkunku auf Schalke vier Tore in einer Halbzeit vor, am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) sollen im Top-Spiel der Fußball-Bundesliga gegen Bayer Leverkusen weitere folgen.

Vorlagenkönig mit Rasta-Frisur

Dabei haben sie in Leipzig nicht mit allen Franzosen gute Erfahrungen gesammelt. Dayot Upamecano kam gern mal mit Übergewicht aus dem Sommerurlaub, Nordi Mukiele und Jean-Kévin Augustin sorgten im vergangenen Jahr für einen Eklat, als sie vor dem Europapokalspiel gegen Salzburg auf der Ersatzbank auf dem Handy daddelten. Deshalb rollten im Sommer einige die Augen, als RB in Nkunku für 13 Millionen Euro von Paris Saint-Germain einen weiteren Franzosen holte.

Doch der 22-Jährige, damals noch mit blonder Rasta-Frisur, war von Beginn an anders. Wenn seine Mitspieler an freien Tagen in Privatjets nach Paris düsten, blieb er lieber in Leipzig. Nkunku ging ins Bildermuseum oder testete sich - ganz Franzose - durch die Restaurants der Stadt. Eine deutsche Spezialität hat es ihm dabei besonders angetan: Currywurst. "Die esse ich sehr gern mit Pommes", sagte Nkunku der "Bild"-Zeitung.. "Ich dachte erst, die gibt es nur in Leipzig."

Kaum Interviews des Franzosen

Doch nicht nur kulinarisch will Nkunku in Leipzig auf ein neues Level kommen. Auch als Fußballprofi. Zwar gewann er mit PSG drei Meisterschaften und feierte gemeinsam mit Weltstar Neymar. Doch so richtig sah er sich nie als Teil dieses Star-Ensembles. In Leipzig ist das anders. "Ich fühlte mich hier sofort wohl. Ich habe den Club gefunden, den ich brauchte", versicherte Nkunku. Inzwischen macht er sich sogar Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme: "Stand jetzt gibt es keinen Kontakt. Natürlich ist die Nationalmannschaft mein Ziel, dafür arbeite ich jeden Tag hart."

Der Franzose ist öffentlich zurückhaltend, gibt kaum Interviews. Auf dem Platz hingegen zündet er richtig. "Er hat eine gute Technik, verbindet sie mit einer guten Dynamik. Er ist einfach ein lieber Mensch, der Gas gibt und nicht der schlechteste Transfer, den wir getätigt haben", sagte Nagelsmann.

Boss im RB-Trikot

Bei Standardsituationen ist Nkunku mittlerweile der Boss im RB-Trikot. Er schlägt Ecken, schießt Freistöße - oder zieht wie gegen Gladbach einfach mal aus 20 Metern ab. "Er hat einen unglaublichen Huf", schwärmt Nagelsmann. Nkunku orientiert sich dabei an Zinedine Zidane und Cristiano Ronaldo: "Zwei technisch in jeglicher Hinsicht herausragende Spieler." Mit seinen 13 Vorlagen ist der frühere U21-Nationalspieler Frankreichs zudem gerade die Nummer drei der Liga - und auf dem Weg zum Rekord.

Bei 22 Vorlagen in einer Saison liegt die Bestmarke in der Bundesliga. Die hatte in der Saison 2016/17 ausgerechnet Emil Forsberg aufgestellt. Den Leipziger Fan-Liebling hat Nkunku aus der Stammelf verdrängt. Und er ist auch auf dem besten Weg in die Herzen der Anhänger. Ob Nkunku auch des Sächsischen mächtig ist, ist nicht überliefert. In seiner Mannschaft bräuchte er das ohnehin nicht.

(ce/dpa)

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