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Nicaragua: Polizei verhindert regierungskritische Demonstration

17.3.2019 11:30 Uhr

In Nicaragua haben die örtlichen Sicherheitsbehörden eine Demonstration der Opposition in der Hauptstadt Managua verhindert und mehr als Hundert Demonstranten vorübergehend festgenommen. Dabei ging die Polizei mit Tränengas gegen die Regimekritiker vor und beschlagnahmte auch die Ausrüstung von anwesenden Journalisten, wie ein Reporter der AFP mitteilte.

Nach Polizeiangaben wurden 107 Menschen in Gewahrsam genommen. Sie wurden später wieder freigelassen. Unter den Festgenommenen war auch die ehemalige Guerillakämpferin Mónica Baltodano und ihre Schwester Sofia Arce, wie Familienmitglieder mitteilten. Im Zuge von Massenprotesten gegen Staatschef Daniel Ortega seit April vergangenen Jahres waren hunderte Regierungskritiker festgenommen worden. Viele von ihnen wurden wegen "Terrorismus" zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Bei der Niederschlagung der Proteste wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bis Oktober mindestens 325 Menschen getötet.

"Dialog" mit der Opposition?

Mittlerweile hat die Regierung einen Dialog mit der Opposition begonnen, um einen Ausweg aus der politischen Krise zu finden. Im Zuge dessen ließ sie Ende Februar hundert Häftlinge frei, am Freitag kündigte sie weitere "Gnadenakte" für 50 Häftlinge wie etwa eine Verlegung in den Hausarrest an.Ortegas Gegner beschuldigen den ehemaligen Guerillaführer im Kampf gegen die rechte Somoza-Diktatur (1934 bis 1979), zusammen mit seiner Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, selbst zunehmend autoritär zu regieren. Der Ortega-Familie werfen sie unter anderem Korruption und Vetternwirtschaft vor. Die Regierungskritiker verlangen, die für 2021 vorgesehene Präsidentschaftswahl auf März 2019 vorzuziehen. Der 73-jährige Ortega lehnt das ab.

(be/afp)