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Neuseelands Vulkaninsel: Riskante Bergung von Leichen geplant

12.12.2019 15:31 Uhr

Vier Tage nach dem Vulkanausbruch auf der neuseeländischen Vulkaninsel White Island wird das Militär einen Einsatz zur Bergung der Toten starten. Doch die Gefahr ist hoch.

Trotz der Warnungen von Vulkanforschern vor einer möglichen neuen Eruption sollen die Bergungsteams nach Polizeiangaben am Freitagmorgen (Ortszeit) auf die Vulkaninsel gehen und nach den Leichnamen suchen - obwohl die Gefahr eines neuen Ausbruchs zuletzt sogar noch gestiegen war. Der Bergungseinsatz soll am Freitag "kurz nach Tagesanbruch" beginnen, wie Vize-Polizeichef Mike Clement am Donnerstag ankündigte.

"Alles dafür tun, um alle Leichen zu bergen"

"Sie werden auf die Insel gehen und alles dafür tun, um alle Leichen zu bergen", versicherte er. Die geborgenen Leichen sollen dann auf die Marinefregatte "HMNZS Wellington" gebracht werden, die vor der Küste vor Anker liegt. Die Behörden gehen davon aus, dass sie aufgrund der von Drohnen und Hubschrauberpiloten kurz nach dem Ausbruch gesammelten Informationen den Ort von sechs der acht Leichname auf der Insel kennen. Die Bergung dieser sechs Leichen habe Priorität, sagte Clement.

Behörden unter Druck

Die neuseeländischen Behörden waren zuvor massiv unter Druck geraten, endlich mit der Bergung der Leichen zu beginnen. Ein Geologe soll die riskante Mission unterstützen und in Echtzeit Daten auswerten, um den Einsatz im Falle einer unmittelbar bevorstehenden Eruption abbrechen zu können. Die Gefahr eines neuen Ausbruchs war zuletzt gestiegen und liegt nach Angaben von Seismologen mittlerweile bei 50 bis 60 Prozent. "Die Gefahr ist nicht vorbei", stellte auch Clement klar. "Natürlich" werde er sich Sorgen um die Bergungsteams machen. "Die Leute begeben sich selbst an die vorderste Front, um das Richtige zu tun", fügte der Vize-Polizeichef hinzu. "Wir werden mit unseren Gedanken, unseren Gebeten und unserer Liebe bei ihnen sein."

Angehörige fordern sofortige Bergung

Noch am Mittwoch hatte Polizeiminister Stuart Nash in einem Radiointerview gesagt: "Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist." Die Angehörigen forderten dagegen, endlich mit der Suche auf der Insel zu beginnen. Vor allem der Bruder des neuseeländischen Reiseleiters Hayden Marshall-Inman hatte die Behörden scharf kritisiert. Mark Inman machte "Bürokratie" und Führungsversagen für die Verzögerung verantwortlich und bot an, selbst auf die Insel zu fahren. Premierministerin Jacinda Ardern zeigte Verständnis für die Familien, stellte zugleich aber klar, dass sich alle Beteiligten "verzweifelt darum bemühen, die Opfer zurückzuholen".

Giftige Gase und Asche

Nach Angaben des neuseeländischen Vulkanologen Nico Fournier müssen sich die Bergungsteams im Falle einer Eruption auf Magma, extrem heißen Dampf, Asche und kanonenkugelgroße Gesteinsbrocken gefasst machen. Aus dem Vulkankrater treten zudem weiterhin giftige Gase aus, die ganze Insel ist mit säurehaltiger Asche bedeckt. Zusammen mit den acht Toten, die noch auf White Island vermutet werden, geht die Polizei mittlerweile von 16 Toten aus. Zwei Menschen erlagen nach Polizeiangaben in der Nacht zum Donnerstag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Nach Angaben ihrer Schule in Sydney handelt es sich um zwei australische Brüder - die Eltern der beiden Jungen gelten offiziell noch als vermisst.

47 Menschen auf der Insel

Insgesamt hatten sich zum Zeitpunkt der Eruption 47 Menschen auf der Insel in der Bay of Plenty etwa 50 Kilometer vor der Küste der neuseeländischen Nordinsel aufgehalten. Darunter waren vier Deutsche, die nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin verletzt wurden. Die anderen Ausflugstouristen und Reiseleiter kamen aus Australien, den USA, Großbritannien, China, Malaysia und Neuseeland.22 Verletzte liegen nach Behördenangaben noch im Krankenhaus. Viele von ihnen schweben wegen schwerster Verbrennungen weiterhin in Lebensgefahr.

(be/afp)

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