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Neuerungen bei der Polizei: Auch Männer ohne Hoden erlaubt

31.12.2018 10:47 Uhr

Die Einstellungsvoraussetzungen bei der Polizei sind schon immer sehr streng. Bisher waren selbst diejenigen Männer vom Dienst ausgeschlossen, die keine Hoden haben. Die Innenminister von Bund und Ländern wollen diese Vorschrift jetzt abschaffen. Insbesondere für trans- und intergeschlechtliche Menschen ist das ein gutes Zeichen, so Experten.

Es gibt Männer, die nicht alle ihre männlichen Geschlechtsorgane haben. Bisher war es für sie ausgeschlossen, bei der Bundespolizei und dem Bundeskriminalamt zu arbeiten. Das liegt an einer Vorschrift der Polizei, die von den Innenministern von Bund und Ländern abgeschafft werden soll. Das war zumindest die Antwort des Innenministeriums auf die diesbezügliche Anfrage der FDP, wie Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

Polizeidienstvorschrift 300

Die körperlichen Voraussetzungen für den Dienst bei der Bundespolizeibehörde werden in der "Polizeidienstvorschrift 300" festgehalten. Wenn ein Mann nämlich nicht beide Hoden hat, sei es von Geburt an oder aufgrund des Verlustes im Laufe des Lebens, ist er von der Tauglichkeit für den Polizeidienst grundsätzlich ausgeschlossen. Außerdem ist es vonnöten, dass das "Hormonsystem intakt" ist - sei es bei weiblichen oder männlichen Anwärtern. Was die Unterschiede in der Geschlechtsentwicklung angeht, beispielsweise bei transsexuellen oder intersexuellen Menschen, so werden diese in der Polizeidienstvorschrift überhaupt nicht aufgeführt.

All diese Kriterien sollen nun jedoch, laut dem Innenministerium, abgeschafft werden. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern habe diese Vorschrift bereits zum November 2018 überarbeitet - zum Frühjahr des kommenden Jahres soll dieser Bericht genehmigt werden und im Anschluss von der Vorschriftenkommission überarbeitet werden.

Es sei ein "gutes Signal für alle trans- und intergeschlechtlichen Menschen, die im Polizeidienst für unser Land arbeiten wollen", so Jens Brandenburg, der Sprecher der FDP-Bundestagsfranktion, der für Themen von Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI). Es sei ein Unsinn, das bisher gute Polizeiarbeit von solchen Kritierien abhängt.

(Simge Selvi)