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Neuer Streik bei Lufthansa droht

20.1.2020 8:18 Uhr

Wieder droht die Flugbegleitergewerkschaft Ufo mit einem Streik - diesmal mit "deutlich ausgeweiteten Maßnahmen". Was das bedeutet, wird am Mittwoch verkündet.

Zahlreiche Fluggäste des Lufthansa-Konzerns müssen schon wieder um ihre gebuchten Verbindungen bangen. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat am Wochenende einen weiteren Streik der Flugbegleiter angekündigt - dabei hatte es erst zum Jahreswechsel einen Ausstand gegeben.

Besonders problematisch für die Kunden: Wann, wie lange und welcher Bereich genau bestreikt werden soll, ist noch völlig unklar.

Details zum Arbeitskampf sollten erst kommenden Mittwoch verkündet werden, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies der Deutschen Presse-Agentur. Er kündigte eine Pressekonferenz für Mittwochnachmittag im südhessischen Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt an.

Dritte Schlichtung gescheitert

Am Donnerstag war der insgesamt dritte Versuch gescheitert, in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen dem Konzern und den Flugbegleitern in die Schlichtung mit zusätzlicher Mediation zu tariffremden Fragen einzusteigen. Die Ufo habe die von Lufthansa für das gesamte Verfahren verlangte Friedenspflicht nicht akzeptieren können, erläuterte Baublies. Einen weiteren Anbahnungsversuch der Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise könne es unter gleichen Voraussetzungen nicht mehr geben.

Erst am Freitag hatte Ufo-Sprecher Baublies gesagt, man werde zunächst noch einmal versuchen, die Tarifziele auf dem klassischen Verhandlungswege durchzusetzen. Sollte dies scheitern, bleibe nur der Arbeitskampf. Da einzelne Streiktage bislang nichts bewirkt hätten, müsse dann mit "deutlich ausgeweiteten Maßnahmen" Druck erzeugt werden.

Droht ein längerer Streik?

Es könnte also schlimmer kommen als zuletzt. Denn der jüngste Streik zum Jahreswechsel betraf vor allem die Lufthansa-Gesellschaft Germanwings und war noch auf drei Tage begrenzt gewesen. In dieser Zeit fielen rund 200 Flüge aus. Alle von Ausfällen betroffenen Passagiere waren aber nach Angaben aus dem Lufthansa-Konzern anderweitig an ihr Reiseziel transportiert worden. Zu Chaos an den Flughäfen kam es nicht.

Die Lufthansa setzt auch nach der der erneuten Streik-Drohung weiter auf Verhandlungen. "Ein Streik ist immer der falsche Weg in einem Tarifkonflikt", sagte eine Konzernsprecherin am Sonntag. "Wir brauchen eine Lösung für die 22.000 Kabinenmitarbeiter. Und diese Lösung kann man nur in Gesprächen und nicht in Streiks finden. Nötig seien Perspektiven in den offenen tariflichen Fragen.

"Taktikspielchen" der Lufthansa?

Ufo-Sprecher Baublies betonte dagegen, die Gewerkschaft sei jederzeit für Gespräche erreichbar, zuletzt habe es seitens der Lufthansa aber "ausschließlich Taktikspielchen" gegeben. "Streiks sind niemals Selbstzweck, sondern nur Mittel, um etwas Gutes für die Kabine zu erreichen." Wenn die Lufthansa dazu Vorschläge habe, bespreche man diese gerne - "aber nicht über die Öffentlichkeit".

In dem Konflikt hat Ufo insgesamt bereits einen Warnstreik und zwei reguläre Streikwellen bei Flugbetrieben des Lufthansa-Konzerns veranstaltet. Rund 2000 Flüge fielen wegen des Arbeitskampfes aus.

Friedenspflicht bis zum 2. Februar

Die Gewerkschaft unterliegt eigentlich noch bis zum 2. Februar einer Friedenspflicht zu den bereits bestreikten Forderungen. Grundlage dafür ist ein 2016 geschlossener Tarifvertrag zur Konfliktlösung. Das bestehende Streikverbot erstreckt sich allerdings nur auf einen kleinen Teil der Ufo-Forderungen bei der Kerngesellschaft Lufthansa.

Neben Tarifthemen zu Arbeitsbedingungen, Renten und Entgelten haben die langen Auseinandersetzungen zwischen den streitenden Parteien einige Konflikte hinterlassen, die möglicherweise in einer Mediation hätten gelöst werden können. Es geht unter anderem um persönliche Klagen der Lufthansa und damit verbundene Haftungsfragen gegen frühere und aktuelle Vorstände der Gewerkschaft. Auch war der frühere Ufo-Chef Baublies aus Lufthansa-Diensten entlassen worden.

Ufo vertritt nach eigenen Angaben bundesweit die berufs- und tarifpolitischen Interessen von mehr als 30.000 Kabinenmitarbeitern in Deutschland.

(be/dpa)

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