dpa

Neuer Coronavirus breitet sich rasend schnell aus

22.1.2020 10:01 Uhr

Alleine von Dienstag auf Mittwoch wurden mehr als hundert neue Fälle von Erkrankungen durch den neuen Coronavirus bekannt. Die Zahl der Todesopfer stieg um weitere drei auf mindestens neun an.

Die Gesamtzahl der Erkrankungen wuchs demnach um mehr als hundert neue Fälle auf rund 440. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit dem Erreger befassen, der Atemwegserkrankungen verursacht.

Reiseverkehr um den chinesischen Neujahrstag

Der für Gesundheitspolitik zuständige Vizeminister Li Bin warnte, dass das Virus mutieren und sich weiter ausbreiten könnte. Die Sorgen werden durch den intensiven Reiseverkehr rund um den chinesischen Neujahrstag am kommenden Samstag gesteigert. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land unterwegs. Nach chinesischen Angaben ist das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar.

Die nationale chinesische Gesundheitsbehörde kündigte verstärkte Desinfizierungen von Flughäfen und Bahnhöfen sowie in Einkaufszentren an. Falls notwendig könnten in Zonen mit dichtem Menschenandrang auch Fiebermessungen vorgenommen werden.

Genaue Quelle noch nicht identifiziert

Die meisten der Infizierten leben in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan. Ein dortiger Fisch- und Geflügelmarkt gilt als Ausgangspunkt des Erregers. Die genaue Quelle wurde bislang jedoch nicht identifiziert. Mutmaßlich gingen die Infektionen ursprünglich von einem Tier aus. Vizeminister Li kündigte an, die Forschungen zu Ursprung und Übertragung des Virus würden verstärkt.

Die WHO will am Mittwoch bei ihrer Krisensitzung in Genf eine Risikobewertung vornehmen und entscheiden, ob einen internationalen Gesundheitsnotstand ausruft. Die EU-Kommission versicherte unterdessen, dass sie gegen eine mögliche Ausbreitung des Virus nach Europa gewappnet sei.

WHO vorbereitet

Die Brüsseler Behörde sei darauf vorbereitet, rasch "potenzielle Gegenmaßnahmen zu unterstützen und zu koordinieren, sollte dies erforderlich sein", sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides der Zeitung "Die Welt". Zusammen mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) beobachte die Kommission die Ausbreitung des Erregers sehr genau.

Die EU-Kommission stehe wegen des Virus in ständigem Kontakt mit den EU-Mitgliedstaaten, sagte Kyriakides. Unter Führung der Kommission tauschten die nationalen Behörden Informationen aus und verständigten sich über Risikobewertungen und mögliche Reaktionsmaßnahmen.

Erster Fall in den USA

Eine erster Krankheitsfall durch den neuen Erreger wurde aus den USA gemeldet. Das Virus wurde nahe der Großstadt Seattle im nordwestlichen Bundesstaat Washington bei einem aus China eingereisten Mann nachgewiesen, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteile. Der Mann, der in den USA lebt und nach Wuhan gereist war, wurde als Vorsichtsmaßnahme in ein Krankenhaus eingeliefert. Die USA weiten nun ihre Kontrollen an Flughäfen aus.

Auch die chinesische Sonderverwaltungszone Macau meldete einen ersten Fall. Es handele sich um eine 52-jährige Geschäftsfrau aus Wuhan, die mit dem Schnellzug nach Macau gekommen sei, teilte die dortige Gesundheitsbehörde mit. Die Glücksspiel- und Vergnügungsmetropole Macau zieht große Scharen von Besuchern aus Festlandchina an.

Einzelne Fälle von Erkrankungen durch den neuartigen Virus waren zuvor bereits aus Thailand, Japan, Südkorea und Taiwan gemeldet worden.

Nordkorea will vorerst keine ausländischen Touristen reinlassen

Nordkorea wiederum will als Vorsichtsmaßnahme gegen den Virus nach Angaben eines großen Reiseveranstalters seine Grenzen vorübergehend für alle ausländischen Touristen schließen. Die Details der Maßnahme seien aber noch nicht bekannt, sagte das Unternehmen Young Pioneer Tours, das seinen Sitz in China hat. Die große Mehrheit der ausländischen Touristen in Nordkorea sind Chinesen.

(be/afp)

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