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Nervenkrieg in Venezuela: Armee blockiert Hilfslieferungen

6.2.2019 11:19 Uhr

Die Armee in Venezuela hält offenbar immer noch zu Präsident Nicolas Maduro, anders ist dieses Verhalten nicht zu erklären: Vor einer geplanten internationalen Hilfslieferung haben Soldaten nach Oppositionsangaben einen Grenzübergang zu Kolumbien blockiert.

Ein Tanklastwagen und ein riesiger Container versperrten die Tienditas-Brücke zwischen den Nachbarstaaten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. US-Präsident Donald Trump bekräftigte derweil seine Unterstützung für den selbsternannten venezolanischen Übergangspräsidenten Juan Guaido.

Der oppositionelle Abgeordnete Franklyn Duarte sagte, der Übergang zwischen der venezolanischen Stadt Urena und der kolumbianischen Stadt Cucuta werde von Angehörigen der venezolanischen Streitkräfte blockiert. Die Brücke galt als eine mögliche Route für die Lieferung von Hilfsgütern in den Krisenstaat.

Maduro fühlt sich provoziert

Die geplante humanitäre Hilfe war von Guaido koordiniert worden. Er will damit den Druck auf seinen Rivalen Nicolas Maduro aufrechterhalten. Für den amtierenden Staatschef sind die Hilfsangebote aus dem Ausland eine weitere Provokation. Er bezeichnete die geplanten Lieferungen als Vorwand, um den Boden für eine von den USA angeführte Militärinvasion zu bereiten.

In Venezuela herrscht als Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Nach Angaben Guaidos sind bis zu 300.000 Menschen in dem Land vom Tod bedroht. Der oppositionelle Abgeordnete Miguel Pizarro warnte die Armee davor, eine "rote Linie" zu überschreiten, wenn sie die Lieferung von Medikamenten und Essen verhindere.

Maduro war bei der Präsidentenwahl im Mai 2018 im Amt bestätigt worden, die Abstimmung wurde jedoch von massiven Fälschungsvorwürfen überschattet. Guaido erklärte sich daher im Januar selbst zum Übergangspräsidenten.

Trump unterstützt "edles Streben nach Freiheit"

Die USA hatten Guaido als erste Nation anerkannt. US-Präsident Trump bekräftigte in seiner Rede zur Lage der Nation seine Rückendeckung für den Oppositionsführer. "Wir unterstützen das venezolanische Volk in seinem edlen Streben nach Freiheit", sagte Trump. Er verurteilte die "Brutalität des Maduro-Regimes", das Venezuela "in extreme Armut und Hoffnungslosigkeit" gestürzt habe.

Inzwischen haben sich etwa 40 Länder hinter Guaido gestellt. Am Montag hatten auch Deutschland und eine Reihe anderer EU-Staaten Maduro die Legitimität abgesprochen, nachdem dieser ein Ultimatum zu neuen Präsidentschaftswahlen hatte verstreichen lassen. Angesichts des wachsenden Drucks bat Maduro sogar Papst Franziskus, im Machtkampf in Venezuela zu vermitteln. Das Oberhaupt der Katholiken erklärte am Dienstag, beide Seiten müssten dazu bereit sein.

Seit Beginn der jüngsten Unruhen am 21. Januar wurden in Venezuela nach UN-Angaben rund 40 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten getötet. Laut der Menschenrechtsorganisation Foro Penal wurden außerdem fast tausende Menschen festgenommen. Die nächste Großkundgebung der Opposition ist für den kommenden Dienstag geplant.

(bl/afp)