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Neonazi-Kampfsportveranstaltung vor Verbot

3.10.2019 21:37 Uhr

Die Regierung will nach Berichten intensiv gegen die größte Neonazi-Kampfsportveranstaltung in Europa mit dem Namen "Kampf der Nibelungen", die in Ostsachsen stattfinden soll, vorgehen. Seit 2013 findet das Format statt und zieht Neonazis aus ganz Europa an. Die Veranstaltung trägt antidemokratische Züge, wie das Innenministerium konstatierte.

Die Bundesregierung hat einem Medienbericht zufolge mit dem in Ostsachsen stattfindenden "Kampf der Nibelungen" die größte Neonazi-Kampfsportveranstaltung Europas im Visier. "Das Selbstverständnis des seit 2013 jährlich stattfindenden Kampfsportformats, das Kampfsportler als Vorbilder und Gegensatz zum 'System der Heuchler, Versager und Schwächlinge' darstellt, trägt antidemokratische Züge", teilte das Bundesinnenministerium in einer Antwort auf eine schriftliche Frage der FDP im Bundestag mit, über welche die "Welt" am Donnerstag berichtete.

Verbot steht auf der politischen Agenda

Dem Bericht zufolge soll die siebte Auflage des Events am 12. Oktober in Ostritz stattfinden. Die Bundesregierung attestiert der Veranstaltung einen "rassistischen Charakter", wie es weiter heißt. In die Organisation seien verschiedene Vertreter des neonazistischen Spektrums und rechtsextremistische Hooligans eingebunden. Veranstalter ist demnach der Dortmunder Rechtsextremist Alexander Deptolla. Die Nachfrage, ob sich das Bundesinnenministerium aktuell mit einem Verbot von "Kampf der Nibelungen" beschäftigt, ließ ein Sprecher offen. Zu etwaigen Überlegungen erteile man grundsätzlich keine Auskunft. Aus anderen Behördenkreisen erfuhr "Welt", dass ein mögliches Verbot des Events zumindest in Sachsen weiterhin auf der politischen Agenda stehe. Entsprechende Versuche waren in den vergangenen Jahren gescheitert.

Kampfsportevents nehmen bei der Vernetzung von Neonazis in Europas mittlerweile eine bedeutende Rolle ein. FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle sieht die Entwicklung mit Sorge: "Offenkundig gelingt es Rechtsextremisten immer öfter, Teile bestimmter Subkulturen zu kapern", sagte er "Welt". Wenn nötig, müssten konkrete Maßnahmen nach dem Vorbild des Einreiseverbots für den russischen Hooligan Denis Kapustin folgen. Dieser war demnach lange Sponsor von "Kampf der Nibelungen", erhielt vor wenigen Monaten auf Initiative der Behörden in Nordrhein-Westfalen ein Einreiseverbot in den Schengenraum. Ob es in Bezug auf das bevorstehende Event weitere Einreiseverbote gibt, ließ das sächsische Innenministerium unbeantwortet.

(ce/afp)

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