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Nemrut Dagi

1.6.2019 13:33 Uhr

Der an der Südflanke des Taurusgebirges in einer Höhe von 2.159 Metern gipfelnde Nemrut Dagi, auch Berg Nimrod, ist der höchste Punkt Mesopotamiens. Der Ort bietet etwas, das es auf der Welt nur einmal gibt: Unter knapp 200.000 Kubikmetern Felsgestein vermuten Archäologen die Grabkammer von Antiochos.

Der sagenumwobene, kommagenische Herrscher, der sich selbst zum Gott ernannte, soll einst die Mythen der alten persischen Großreiche mit dem Lebensstil der Griechen und Römer in Einklang gebracht haben – das, indem er und sein Vater angeblich einen Vertrag mit den Göttern schlossen. Seine Dynastie ging aus den Weltreichen Alexander des Großen und des Persischen Königs Dareios I. hervor.

Ein beständiges Rätsel

Durch Aufschüttung soll die Grabkammer vor mehr als 2.000 Jahren bewusst versteckt worden sein. Vielleicht nur zum Schutz vor Grabräubern, vielleicht um einen neuen Kult zu schaffen. Welche Geheimnisse auch immer der gigantische Tumulus birgt – kein Altertumsforscher oder Archäologe konnte ihnen bislang und trotz Einsatz geophysikalischer Grabungstechniken auf die Spur kommen. Dem Architekten, der hier einst am Werk war, ist mit einem verwirrenden Verschluss-System ein Geniestreich gelungen.

Der deutsche Historiker Friedrich Karl Dörner entzifferte Mitte des vergangenen Jahrhunderts nahezu alle auf dem Berg vorfindbaren Inschriften und betitelte den Nimrod als eine Goldquelle, die ihren Schatz gut verborgen hält. Viele weitere Forscher scheiterten neben oder nach ihm, denn auch sie fanden keinen Zugang.

Osten trifft Westen

Als Hierothesion wird der Gipfel des Nimrods, der seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, auch bezeichnet. Die Kombination aus Grabanlage und Heiligtum wird nicht nur von der Geröllaufschüttung charakterisiert, sondern auch von drei Terrassen. Auf der östlichen und westlichen befinden sich beeindruckende Statuen, die aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. stammen und die Götter Apollo, Zeus, Herkules, Tyche, den Gottkönig Antiochos sowie Löwen und Adler darstellen. Säßen die Köpfe noch auf den Schultern, wären die Figuren jeweils acht bis zehn Meter hoch. So hat man die Köpfe vor die zugehörigen Rümpfe gestellt.

Die Skulpturen spiegeln die "Osten-trifft-Westen"-Überzeugung des einstigen Königreiches wider, denn während ihre Gesichtszüge eindeutig griechische Merkmale aufweisen, ist ihre Kleidung ohne Zweifel orientalisch.

(jk)