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Nach türkischer Hochzeit: Hamm Corona-Hotspot in Deutschland

24.9.2020 12:53 Uhr

Die Hochzeit soll eigentlich der schönste Tag im Leben von Braut und Bräutigam werden. Diese Hochzeit in Hamm in Nordrhein-Westfalen werden die Beteiligten auch lange in Erinnerung behalten – wegen des Coronavirus. Nach einer türkischen Hochzeit mit Henna-Abend und weiteren Feiern, an denen bis zu 300 Personen aus Hamm teilnahmen, erlangte der kleine Ort in der Nähe von Kamen und Lünen traurige Berühmtheit als Corona-Hotspot in Deutschland.

In Hamm ist man aus nachvollziehbaren Gründen "mächtig angefressen". Der XXXL-Event ließ die Coronafälle dramatisch in die Höhe schnellen. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ist außer sich. Es könne nicht angehen, dass eine Familie des Ortes dafür sorgt, den ganzen Betrieb der Region stillzulegen. In der Folge sollen nun alle Schülerinnen und Schüler wieder Maske tragen müssen. Es stand sogar ein völliger Lockdown wie im Fall Tönnies zur Diskussion. Man werde als kompletter Ort nun für das Feiern in die Haftung genommen – bei einem Event, wo man laut Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann nicht auf Abstandsregeln oder Maskenpflicht geachtet habe. Hamm beklagt im Zuge der Hochzeit mindestens 179 Personen, die als "akut Infizierte" geführt werden. Und man rechnet damit, dass die Zahlen weiter explodieren, da vor zwei Tagen allein 45 Schülerinnen und Schüler, die bei besagter Hochzeit waren, laut OB Hunsteger-Petermann positiv getestet wurden und im Kontakt mit vielen weiteren Kindern waren.

Hamm will den völligen Lockdown vermeiden

Vorrang hat für den OB derzeit erst einmal, dass man alle Kontaktpersonen identifiziert, was sich offensichtlich als schwer herauskristallisiert. Sobald das erledigt ist und man es geschafft hat, die Absteckungsgefahr einzudämmen, soll es an die "Aufarbeitung" gehen. Dazu soll wohl auch gehören, dass die Versucher in die Haftung genommen werden – und das kann teuer werden. Die Stadt lässt derzeit alle rechtlichen Optionen ausloten, das Brautpaar und die Veranstalter in Regress zu nehmen. Ob es hier "nur" bei saftigen Bußgeldern bleibt oder ob auch Schadenersatzforderungen durchgedrückt werden können, prüft die Stadt Hamm über ihre Justiziare.

Sollte Hamm damit Erfolge erzielen, ist es möglich, dass sich auch die Stadt Dortmund an die Forderungen hängt, denn auch dort wurde Anfang September ein Teil dieser türkischen Hochzeit gefeiert. Justiziare rechnen sich gute Chancen aus, da man nachweisen kann, dass die Corona-Regeln sträflich missachtet wurden und dass die Listen der Teilnehmenden schlampig geführt wurden. Die Hochzeit sorgte dafür, dass in Hamm die Infiziertenzahl je 100.000 Einwohner der letzten sieben Tag nah an der 100 liegt. Das hat Folgen. Mehr als fünf Personen dürfen sich nicht mehr öffentlich treffen, der Kirmes-Park wurde abgesagt, was einen hohen wirtschaftlichen Verlust bedeutet, an weiterführenden Schulen herrscht wieder absolute Maskenpflicht, jede Veranstaltung zwischen 25 und 50 Personen ist anmeldepflichtig, ab 50 bis 150 Personen muss ein Hygienekonzept vorgelegt werden und Events mit 150+ Personen sind untersagt. Wer dagegen verstößt, muss ab 2000 Euro an Bußgeld zahlen. Zudem werden alle Sportevents auf 150 Menschen begrenzt und es gilt die Maskenpflicht. Das alles hat zuerst einmal Gültigkeit für 14 Tage, um den totalen Lockdown zu umgehen.

(ce)

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