DHA

Nach Skandal-Video: ​Misogyner, sexistischer Arzt in der Türkei entlassen

5.10.2020 14:33 Uhr

Dr. Ali Edizer, der als "stellvertretender Chefarzt" in einem Krankenhaus in der türkischen Hauptstadt Ankara tätig war, wurde fristlos entlassen. Das geschah nach einer massiven Empörungswelle über seine sexistischen, misogynen und an die Scharia angelehnten Äußerungen in einem Video, das er auf einem seiner Social-Media-Konten gepostet hatte. Der Arztvertrag, dessen Überprüfung vom Inspektionsausschuss des Gesundheitsministeriums eingeleitet wurde, wurde gekündigt.

Dr. Ali Edizer, der für ein der Universität für Gesundheitswissenschaften angeschlossenes Krankenhaus arbeitete, hatte in einem Social-Media-Video, sein "Unbehagen" gegen das türkische Zivilgesetzbuch ausgedrückt. Besonders missfiel ihm die dort festgeschriebene Gleichstellung der Geschlechter, also die Gleichstellung von Mann und Frau. Edizer erklärte in dem Video, er kämpfe gegen das Bürgerliche Gesetzbuch und forderte, dass sich Männer eine zweite und dritte Frau nehmen können. Der Kodex des Bürgerlichen Gesetzbuches der Türkei, das sich am Vorbild aus der Schweiz anlehnt und 1926 verabschiedet wurde, hatte Frauen sowohl innerhalb der Familie als auch als Einzelpersonen gleiche Rechte eingeräumt. Der rechtliche Status von Frauen wurde damit 1926 vollständig geändert.

Edizers Profile auf den Social Media voller Diskriminierungen und Hassrede

Edizer kritisierte in seinem religiös motivierten Video eine TV-Morgensendung, die auf einem privaten Kanal ausgestrahlt wurde und beschrieb es als unmoralisch, der Frau einen freien Willen einzuräumen. "Der Beginn der Straße, die uns (Frauen wie) Esra Erol (Moderatorin der Morgenshow) bringt, ist die Verabschiedung des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs. Freiheit und Zivilisation wurden Frauen gegeben. Formale Monogamie, in der Praxis aber ist es Ehebruch und Prostitution ", sagte er im Video. Mit "Westliche Unmoral von Gewalt" diffamierte er das Bürgerliche Gesetzbuch der Türkei.

Die Äußerungen von Edizer haben eine heftige Debatte in der Türkei und eine Welle der Empörung in den sozialen Medien ausgelöst. Kritiker nannten den Video-Content sexistisch, diskriminierend und dazu geeignet, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu vertiefen. Als man die Accounts des ehemaligen Chefarztes unter die Lupe nahm, fanden sich darin zudem Vorwürfe gegen die Führer von Oppositionsparteien und Hassreden, die in Bezug auf ethnische und religiöse Aspekte diskriminieren.

(ce)

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