epa/Antonio Lacerda

Nach Dammbruch in Brasilien gerät Minenbetreiber Vale unter Druck

28.1.2019 19:22 Uhr

Das Image des Bergbauunternehmens Vale ist weiterin auf Talfahrt. Grund ist der zweite verheerende Dammbruch an einem Rückhaltebecken für Bergbauabfälle im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Bis heute leidet das Land unter der Umweltkatastrophe, die der Bruch eines weiteren Damms vor drei Jahren in Minas Gerais ausgelöst hatte - dessen Betreiber Samarco war ein Tochterunternehmen von Vale und dem australisch-britischen Konzern BHP.

Damals kamen in der Nähe von Mariana 19 Menschen ums Leben, die giftige Schlammlawine gelangte in den Fluss Río Doce und später in den 650 Kilometer entfernten Atlantik. Bis heute zahlen Vale und BHP Milliardenbeträge für den verheerenden Dammbruch, und noch warten viele Opfer auf eine Entschädigung.

Opferzahlen können in die Hunderte gehen

Diesmal ist der Schaden für die Umwelt offenbar geringer, dafür aber könnte die Zahl der Opfer in die Hunderte gehen. Die brasilianische Justiz fror bereits elf Milliarden Real (2,6 Milliarden Euro) auf den Konten von Vale für mögliche Entschädigungszahlungen ein. Außerdem wurde der Konzern vom Staat und vom Bundesstaat mit ersten Strafen in Höhe von umgerechnet 81 Millionen Euro belegt.

Als Konsequenz kündigte der Vale-Verwaltungsrat nach einer Sondersitzung am Montag an, die Dividendenzahlungen an seine Aktionäre ebenso auszusetzen wie die Bonuszahlungen an seine Manager. Der Aktienkurs des Konzerns an der Börse in São Paulo brach massiv ein: 20 Prozent verloren die Anteile zu Handelsbeginn an Wert.

(Quelle: Digital Globe)

Vale wurde 1942 in Minas Gerais als Companhia Vale do Rio Doce gegründet. Bis 1997 war es in Staatsbesitz. Heute ist Vale der weltweit größte Minenbetreiber für Eisenerz und das drittgrößte Bergbauunternehmen nach den australisch-britischen Konzernen BHP und Rio Tinto.

Neben Eisenerz baut das brasilianische Unternehmen Nickel, Kupfer und andere Metalle ab und besitzt Wasserkraftwerke sowie Schienennetze, Häfen und Schiffe zur Lieferung seiner Produkte. Weltweit beschäftigt es 76.500 Menschen. Sein Börsenwert liegt bei 78,7 Milliarden Dollar (69,04 Milliarden Euro).

Reduziertes Budget für Sicherheit und Wartung?

2017 erwirtschaftete Vale einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 34 Milliarden Dollar. Netto bedeutet dies ein Plus von 38 Prozent verglichen zum Vorjahresergebnis - ein erster Hinweis, dass sich das Geschäft nach einem Einbruch der Rohstoffpreise im Jahr 2015 wieder erholt hat. Die Krise hatte Vale zu deutlichen Kosteneinsparungen gezwungen.

Nach Angaben des Bergbau-Experten Luiz Jardim Wanderley von der Staatlichen Universität von Rio der Janeiro tendieren Unternehmen in Zeiten fallender Rohstoffpreise generell dazu, "ihre Budgets für Sicherheit und Wartung zu reduzieren". Von den 450 Dämmen in Minas Gerais gebe es deshalb eine "relativ hohe Zahl", deren Zustand "zweifelhaft oder unhaltbar" sei, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Der 1976 gebaute und 86 Meter hohe Unglücksdamm war stillgelegt und zum Abriss vorgesehen. Vale beteuert, eine Inspektion des TÜV Süd habe im September keine Beanstandungen ergeben. Auch bei einer weiteren Kontrolle im Januar seien keine Mängel festgestellt worden.

Auf seiner Website bekräftigt Vale seine "Leidenschaft für die Menschen und den Planeten". Zu den angestrebten Unternehmenswerten zählen der Grundsatz "Das Leben ist am wichtigsten" und "Tue das Richtige".

(an/afp)

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