Ultima Hora

Mutmaßliche Täter stammen wohl aus Hessen

5.7.2019 20:32 Uhr

In der Nacht zu Donnerstag kam es auf Mallorca im Hotel "Club Cala Ratjada" zu einer abscheulichen Tat, die Deutschland und Spanien gleichermaßen schockiert hat. Von vier jungen deutsch-türkischen Männern aus Bad Hersfeld in Hessen - Serhat K., 23 Jahre alt, Azad K., 22 Jahre alt, Yakub, 21 Jahre alt und Baran D., 19 Jahre alt – sollen zwei oder gar drei eine 18-jährige Urlauberin aus Deutschland vergewaltigt haben. Die drei mutmaßlichen Täter sitzen in Spanien in U-Haft. Bei der Abreise wollten die Verdächtigen, denen eine Gruppenvergewaltigung vorgeworfen wird, die Polizei am Flughafen Palma nasführen – zum Glück vergeblich.

Es scheint so, als hätten die mutmaßlichen Gruppenvergewaltiger Serhat K., Azad K., Yakub und Baran D. geahnt, dass die Polizei ihnen auf den Fersen ist und man sie am Flughafen bei der Ausreise einkassieren wird. Darum versuchten sie ein eher hilf- und ahnungsloses "Katz und Maus"-Spiel mit der bestens ausgebildeten spanischen Guardia Civil. Nach Berichten diverser Medien waren sie getrennt am Flughafen angereist, obwohl sie im gleichen Hotel waren und einen identischen Flieger nach Deutschland nehmen mussten. Dieser eher stümperhafte Täuschungsversuch half ihnen natürlich nicht weiter, da die Guardia Civil mit großer Personalstärke nach fahndete. So wurden sie trotzdem geschnappt.

Was wird den Inhaftierten vorgeworfen?

Nach den Aussagen des 18-jährigen Opfers habe man sich in der Stadt kennengelernt und etwas zusammen getrunken. Danach sei sie ins Hotel der späteren Gruppenvergewaltiger eingeladen worden. Im Zimmer habe dann stets ein Täter sie festgehalten, während ein anderer Täter sie vergewaltigte. Die Aussagen des jungen Mädchens, dessen Leben durch diese Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Bahn geworfen wird, werden von den ärztlichen Untersuchungsberichten untermauert. Die Ärzte in Spanien auf Mallorca diagnostizierten laut "Ultima Hora" Blutergüsse am Hals und an den Handgelenken des blutjungen Opfers, was Rückschlüsse auf das Festhalten zulässt sowie Verletzungen im Intimbereich. Zudem soll die Tat gefilmt worden sein.

Das perfide Element an der Tat ist, dass die mutmaßlichen Täter die Tat in der Nacht vor ihrem Abflug durchgeführt haben sollen. Hätte das Opfer aus Scham über die Demütigung der jungen Männer aus Hessen geschwiegen, sie wären wohl über alle Berge gewesen und eine Beweisführung wäre nachhaltig erschwert worden. In ersten Vernehmungen berichteten die Verdächtigen "von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr", was aber aufgrund der Verletzungen des Opfers, die mit den Schilderungen der 18-Jährigen zum Tatgeschehen übereinstimmen, keinerlei Bestand haben dürfte. Auch andere deutsche Touristinnen wurde an dem Abend von den mutmaßlichen Tätern angesprochen, die sie ins Hotelzimmer einladen wollten. Da sie sich aber "sehr aufdringlich verhalten" hatten, sahen zwei weitere potenzielle Opfer von einem gemeinsamen Abend ab – was ihnen wohl eine Vergewaltigung ersparte.

Was steht an Strafe bei einer Verurteilung zu erwarten?

In Spanien sorgte vor drei Jahren - im Juli 2016 - eine Gruppenvergewaltigung in Pamplona für großes Aufsehen. Fünf Männer vergewaltigten damals eine 18-Jährige am Rande des Stiertreibens. Davon wurden ebenso Bilder und Videos angefertigt und über Whatsapp geteilt. Erstinstanzlich wurden die Täter zu neun Jahren Haft in Spanien verurteilt. Das Urteil zog einen Sturm der Entrüstung, landesweite Demos und massive Protestenach sich. Der Druck auf die spanische Politik war enorm. Man machte die Regierung indirekt dafür verantwortlich, dass durch milde Urteile bei Sexualdelikten - besonders bei Massen- oder Gruppenvergewaltigungen - Nachahmer nahezu eingeladen würden, es den Tätern nachzutun.

In der Folge kassierte eine höhere Instanz das Urteil von neun Jahren und es ging vors Oberste Gericht in Spanien. Da gab es für die Täter, die sich "La Manada" (das Rudel) nannten, die Höchststrafe von 15 Jahren. Und das für alle fünf Täter. Pedro Sanchez, Ministerpräsident von Spanien, kommentierte das damalige Urteil via Social Media mit den Worten: "Weil wir dir geglaubt haben, weil euch allen glauben." Das bezog er auf das aktuelle und alle weiteren Opfer. Für die inhaftierten mutmaßlichen Täter aus Hessen heißt das, im Falle einer Verurteilung warten viele Jahre in spanischer Haft auf sie, wenn sie keinen Antrag auf Haftverbüßung in Deutschland stallen, was eigentlich zum Standardrepertoire zwischen EU-Ländern gehört - sofern sie die deutsche und nicht die türkische Staatsbürgerschaft besitzen. Sind sie türkische Staatsbürger, wie es in einigen spanischen Medien bisher rein spekulativ berichtet wird, würden sie eher nicht nach Deutschland zum Strafantritt überstellt.

(Hürriyet.de)

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