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Musiker spielen auf Friedhöfen

31.10.2019 20:12 Uhr

Der Tag der Toten ist ein guter Tag, um Musiker in Mexiko zu sein. Für José Alfredo "El Güero" (Der Blonde) Jiménez ist er der mit Abstand lukrativste Tag des Jahres. Seit 15 Jahren verdient er sein Geld damit, auf dem größten Friedhof in Mexiko-Stadt für die Toten zu singen.

Der "Día de Muertos" wird jedes Jahr an Allerheiligen und Allerseelen gefeiert. Es ist ein farbenfrohes Fest, bei dem der Toten gedacht wird. Dem altmexikanischen Glauben zufolge besuchen die Seelen der Gestorbenen am 2. November ihre Familien. Diese gehen auf den Friedhof, machen die Gräber sauber und bringen Blumen, Kerzen und Fotos sowie Essen und Gegenstände, die den Toten gefielen. Dann sitzen sie beisammen, essen, trinken, erzählen und singen.

Foto-Quelle: imago images/ ZUMA Press

Das Gitarrespielen brachte sich Jiménez selbst bei. Als er seinen Job in einer Kunststofffabrik verlor, begann er, in Kneipen zu singen. Damals kannte er sechs Lieder, inzwischen kann er um die 400 Titel spielen - vor allem der mexikanischen Musikrichtungen Ranchera und Norteño. Was er spielt, hängt von den Wünschen der Leute ab: manchmal traurige, manchmal freudige, bisweilen auch wütende Lieder - je nach der Beziehung, die sie zu ihren gestorbenen Angehörigen hatten.

Pro Lied bekommt "El Güero" 30 Peso - etwa 1,40 Euro. Auf Beerdigungen gibt es ein bisschen mehr. Normalerweise kommt er in einer Woche auf rund 300 Peso, am Tag der Toten sind es gut und gerne zehnmal so viel.

Anfangs kostete es Jímenez Überwindung, wie der 55-Jährige erzählt. "Ich wollte nicht auf die Gräber treten. Als ich hinterher nach Hause kam, habe ich mir alle Klamotten ausgezogen, weil ich das Gefühl hatte, den Tod mitzuschleppen." Er machte trotzdem weiter.

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Zuletzt hat der Bedarf an Musikern wie "El Güero" etwas nachgelassen. Manche Menschen ziehen es vor, auf den Friedhöfen Musik von ihren Handys abzuspielen. Das sei aber nicht das Gleiche, meint Jiménez. Ein Musiker interpretiere die Gefühle der Menschen. "Es ist eine Verantwortung, und ich bin stolz drauf."

(gi/dpa)

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