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Mourinho mit leisen Tönen nach Spurs-Sieg

24.11.2019 12:35 Uhr

Wird bei Tottenham Hotspur aus Jose "The Special One" Mourinho noch "The Modest One"? Wer den Star-Coach lange Zeit verfolgt hat und auf markige Sprüche nach dem Debüt-Sieg seines Teams gegen West Ham United wartete, der sah sich enttäuscht. Mourinho spaßte mit den Einlaufkindern und nach dem Auswärtssieg schlug er sanfte Töne an, bei denen er nicht sich selbst, sondern sein Team in den Fokus rückte. So bescheiden hat man den Trainer selten erlebt.

Mit dem 3:2 (2:0) im Derby bei West Ham United feierte Mourinho am Samstag ein Traumdebüt als Trainer der Tottenham Hotspur - und gab sich danach ungewohnt bescheiden. "Es geht nicht um mich, es geht um die Spieler und den Verein. Ich hatte keinen Einfluss. Nichts. Ich habe ihnen nur ein wenig geholfen, dieses Match zu gewinnen", sagte der 56 Jahre alte Portugiese und fügte hinzu: "Ich würde es hassen, wenn die Leute sagen, ich hätte schon etwas bewirkt."

Tottenhams lange Auswärtsdurststrecke ist vorüber

Elf Monate lang war Mourinho seit seinem Rauswurf bei Manchester United am 18. Dezember 2018 ohne Job, zehn Monate lang hatte Tottenham seit dem 2:1 beim FC Fulham am 20. Januar dieses Jahres in der Premier League nicht mehr auswärts gewonnen. Am Samstag war die Leidenszeit vorbei - sowohl für den Star-Trainer als auch seine neue Mannschaft. "Ich freue mich für die Spieler und mit ihnen", sagte Mourinho.

700 Textnachrichten hatte er nach seinem Dienstantritt beim letztjährigen Champions-League-Finalisten erhalten - nach dem Sieg im Londoner Derby dürften weitere hinzugekommen sein. Den ersten Auftritt am Spielfeldrand genoss der Nachfolger des beurlaubten Mauricio Pochettino ganz in Schwarz gekleidet. "Am Ende was es nicht das Wichtigste, 3:0 oder 4:0 zu gewinnen oder wunderschön zu spielen, sondern zu gewinnen - ganz egal wie", sagte Mourinho.

Tottenham fehlt es noch am Fein-Tuning

Jede gelungene Szene seiner Schützlinge wurde beklatscht - die Tottenham-Tore durch Heung-min Son (36. Minute), Lucas Moura (43.) und Harry Kane (49.) bejubelte er mit geballter Faust. "Ich denke, das Team hatte 60 erstaunliche Minuten, totale Kontrolle, totale Dominanz - nach dem Prinzip, das wir in die Trainingseinheiten eingebracht haben", lobte Mourinho.

Erst in der Schlussphase ging seinem Team der Sprit aus. Michail Antonio (73.) und Angelo Ogbonna (90.+6) brachten West Ham noch einmal heran, doch der Sieg für Tottenham geriet nicht mehr in Gefahr. "Ich gebe dem Trainerstab, den sie hatten, nicht die Schuld. Ich gebe den Umständen die Schuld, den Wochen in der Nationalmannschaft. Einige Spieler sind erst gestern zurückgekommen", begründete Mourinho den Leistungsabfall.

Guardiola und Klopp medial plötzlich zweite Geige

Seine Rückkehr auf die große Fußball-Bühne verdrängte zwei andere Top-Trainer an diesem Spieltag aus den Schlagzeilen. Pep Guardiola kam mit Titelverteidiger Manchester City zu einem 2:1-Sieg gegen Europa-League-Gewinner FC Chelsea und liegt als Dritter weiter neun Punkte hinter Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool.

Der weiter ungeschlagene Spitzenreiter feierte durch Tore von Sadio Mané (49.) und Roberto Firmino (85.) einen mühevollen 2:1-Sieg beim Tabellenzweiten Leicester City. "Wir spielen nicht, um Zeichen zu senden, sondern um Ergebnisse zu holen", sagte Klopp. "37 Punkte nach 13 Spielen sind herausragend." Davon kann Mourinho mit Tottenham (17) derzeit nur träumen.

(ce/dpa)

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