dpa

Mord zu Weihnachten

11.12.2018 23:00 Uhr

Zahlreiche Traditionen ranken sich rund um Weihnachten. In Großbritannien gehören dazu schon seit Jahrzehnten Krimis, die an den Festtagen spielen und in immer neuen Variationen die Besonderheiten der Familienfeiern in ihre Handlung einbauen.

Schon Klassiker wie Agatha Christie, Arthur Conan Doyle und Ellery Queen tummelten sich in diesem Genre.

Die meisten dieser Krimis scheinen auf durchaus unterhaltsame Art die These zu bestätigen, dass Familienfeste und Feiertage besonders stressig und gefährlich sind. Zwei ältere britische Weihnachtskrimis, die nun erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurden, zeigen die Bandbreite dieser literarischen Tradition.

"Das Geheimnis der Grays" wurde im Original bereits 1934 von der Erfolgsautorin Lucy Malleson unter dem Pseudonym Anne Meredith veröffentlicht. Wesentlich neuer ist Jill McGowns "Mord im alten Pfarrhaus." Das englische Original des Romans, der im Untertitel als "Weihnachtskrimi" angekündigt wird, erschien 1988.

Das Geheimnis der Grays

"Das Geheimnis der Grays" ist, wie es der Untertitel ankündigt, "eine weihnachtliche Kriminalgeschichte". Ganz klassisch beginnt der Roman an Heiligabend. Das Familienoberhaupt Adrian Gray hat wie in jedem Jahr seine Kinder in sein Herrenhaus auf dem Land eingeladen. Allerdings wissen die Leser vom ersten Satz des Romans an, was passieren wird: "Adrian Gray starb Weihnachten 1931 eines gewaltsamen Todes durch die Hand eines seiner eigenen Kinder."

Wie viel Sprengstoff in dem Familientreffen steckt, zeigt schon der erste Abend: "In dieser Familie kämpfte jeder gegen jeden." Alle Kinder sind in finanziellen Schwierigkeiten. Die Gründe sind höchst unterschiedlich, aber alle Weihnachtsgäste hoffen auf Geld vom Familienoberhaupt. Jeder versucht, ihn unter vier Augen zu sprechen und zu einer helfenden Gabe zu überreden. Aber das kann nicht gelingen, denn Adrian Gray hat die Ratschläge seines Schwiegersohns befolgt und sein ganzes Geld an der Börse verloren.

Der erste Tag des Familientreffens wird zur Enttäuschung für alle Gäste. Aber das ist nichts gegen den Ersten Weihnachtstag. Der Hausherr kommt nicht zum Frühstück. In seiner Bibliothek wird er tot aufgefunden, und der Dorfarzt hegt wegen einiger Details den Verdacht, dass Gray ermordet wurde.

Was passiert ist, erzählt der Täter selbst. Im vollen Bewusstsein, was er getan hat und was das für die einzelnen Familienmitglieder bedeutet, schildert der Mörder seine Tat und was er unternimmt, um seine Verantwortung abzuwälzen.

Wie in jedem klassischen Krimi kommt auch in "Das Geheimnis der Grays" ein Polizist, um den Fall aufzuklären, aber der eigentliche Schwerpunkt der Erzählung liegt auf den Psychotricks, mit denen die Personen einander zu Schuldigen erklären. Der Roman ist clever konstruiert und bietet einige Überraschungen, zeigt allerdings auch des Öfteren sein Alter.

Mord im alten Pfarrhaus

Wesentlich moderner geht es in Jill McGowns "Mord im alten Pfarrhaus" zu. Aber auch hier schneit es zu Weihnachten und an Heiligabend gibt es einen Toten. Der Schwiegersohn des Priesters eines kleinen Dorfes liegt erschlagen im Gästezimmer des Pfarrhauses. Niemand hat etwas mitbekommen, denn der Priester, seine Frau und seine Tochter waren der Tradition folgend im Ort unterwegs und haben so Alibis. Aber niemand außer den Dreien kannte den Toten.

Ein kniffliger Fall für die beiden Ermittler aus der Stadt, die eigentlich schon genug damit zu tun haben, ihre schwierige persönliche Beziehung aus den Ermittlungen herauszuhalten. Umso komplizierter wird der Fall, als sich herausstellt, dass alle drei Bewohner des Pfarrhauses ein Mordmotiv gehabt hätten und dass alle etwas verbergen und Lügen erzählen.

"Das Geheimnis der Grays" und "Mord im alten Pfarrhaus" setzen die Tradition des Weihnachtskrimis in gelungener Form fort. Die Romane machen sich die äußeren Umstände der Feiern sehr geschickt zunutze, um spannende Handlungen in besonderen Umständen zu erzählen.

- Anne Meredith: Das Geheimnis der Grays. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, 297 Seiten, 15,00 Euro, ISBN 978-3-608-96299-4.

- Jill McGown: Mord im alten Pfarrhaus. DuMont Buchverlag, Köln, 314 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-8321-9884-8.

(be/dpa)

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