Hürriyet

Mord an russischem Botschafter: Türkischer Staatsanwalt fordert lebenslänglich

5.3.2020 17:28 Uhr

Mehr als drei Jahre nach dem Mord an dem russischen Botschafter Andrej Karlow in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft lebenslängliche Haftstrafen für insgesamt acht Angeklagte gefordert.

Der Prozess wurde am Donnerstag in Ankara fortgeführt, am selben Tag des Treffens zur Lage in Syrien zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin in Moskau.

Die Staatsanwaltschaft wirft fünf Angeklagten vorsätzliche Tötung vor und den Versuch, die verfassungsmäßige Ordnung aufzuheben, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Dafür forderte sie zweifach lebenslänglich. Für drei weitere Angeklagte wird demnach einfache lebenslange Haft verlangt.

"Vergesst nicht Aleppo"

Ein türkischer Polizist hatte Karlow am 19. Dezember 2016 bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara erschossen. Der Fall hatte die russisch-türkischen Beziehungen belastet. Der Anschlag wurde mit Russlands Militäreinsatz in Syrien in Verbindung gebracht. Auf Videos war zu sehen, wie der Attentäter auf Türkisch rief "Vergesst nicht Aleppo" und "Vergesst nicht Syrien". Außerdem rief er mehrmals "Allahu Akbar" (Gott ist groß). Kurz darauf wurde er von Spezialkräften getötet.

Die Staatsanwaltschaft nimmt in der Anklageschrift an, dass das Attentat "ein Akt der Provokation" war, um den türkisch-russischen Beziehungen zu schaden. Insgesamt sind 28 Menschen in dem Fall angeklagt, darunter der islamische Prediger Fethullah Gülen. Die türkische Regierung macht Gülen, der im US-Exil lebt, für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Für weitere Angeklagte forderte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag bis zu 15 Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Das Verfahren von neun Angeklagten, darunter das des Predigers Gülen, wurde laut Anadolu abgetrennt.

(be/dpa)

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