dpa

Montag erster Fastentag

5.5.2019 22:04 Uhr

Für Millionen und Abermillionen von Muslimen beginnt am Montag der Fastenmonat Ramadan. Bestandteil des Ramadan ist, dass gläubige Muslime angehalten sind, ab der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht zu essen oder zu trinken. Das Rauchen und der Sex sind in dieser Zeit ebenso nicht erlaubt. Ausnahmen gibt es natürlich auch. Kinder, Schwangere, alte oder gebrechliche Menschen, Personen, die schwere körperliche Arbeiten verrichten, Leistungssportler im Wettkampf oder im Training, Menschen auf Reisen, Frauen, die menstruieren und so weiter sind ausgenommen, können bei Bedarf "nachfasten".

Der Start richtet sich aber nach dem Erscheinen der Neumondsichel und kann deswegen variieren. Der Ramadan ist für die meisten Muslime die wichtigste Zeit der Jahres, vergleichbar mit Weihnachten oder Ostern für Christen. In Deutschland sind geschätzt rund fünf Millionen Muslime zur Enthaltsamkeit während des Tages aufgerufen.

Zahl der Fastenden nicht spezifizierbar

Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islams - das sind Grundpflichten, an die sich Gläubige halten sollen. Diese verzichten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen ausgenommen.

Der spirituelle Fastenmonat diene der Besinnung und solle auch genutzt werden, um Bedürftigen zu helfen, sagte die Sprecherin des Koordinationsrats der Muslime (KRM), Nurhan Soykan. Wie viele der Muslime in Deutschland tatsächlich fasten, sei nicht zu beziffern. "Die Muslime werden sich aber wohl mehrheitlich beteiligen", sagte Soykan auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Im KRM sind die vier größten Islamverbände in Deutschland zusammengeschlossen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach sich gegen strenges Fasten von Schulkindern aus. "Kinder müssen regelmäßig trinken und essen, sonst können sie nicht aufmerksam sein, lernen und sich gesund entwickeln", sagte Giffey der Zeitung "Die Welt". Die Berliner Anwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ates rief Lehrer auf, Schüler vor erzwungenem Fasten in Schutz zu nehmen. "Es passiert häufig, dass Kinder in der Schule zusammenbrechen, weil sie den ganzen Tag nichts getrunken haben", sagte Ates n-tv.de.

Fasten darf keine negativen gesundheitlichen Folgen haben

Soykan betonte mit Blick auf womöglich anstehende heiße Tage, nach islamischer Regel dürfe das Fasten keine körperlich negativen Folgen haben. Mediziner weisen immer wieder darauf hin, dass der stundenlange Verzicht auf Wasser vor allem in warmen Wochen besonders für Heranwachsende gesundheitsschädlich sein kann. Der Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und endet in diesem Jahr Anfang Juni. Dann feiern die Muslime das Fest des Fastenbrechens, das wegen der vielen Süßigkeiten, die es dann gibt, in der Türkei auch Zuckerfest genannt wird.

Generell ist der Ramadan vor allem eine Zeit für die Familie. Die Menschen versammeln sich bei Sonnenuntergang mit Verwandten, aber auch Nachbarn und Freunden zum gemeinsamen Fastbrechen. Das gesellschaftliche Leben verlagert sich in den Abend und die Nacht hinein. In vielen arabischen Ländern beginnt zugleich für die TV-Sender der Kampf um die Zuschauer. Traditionell werden im Ramadan die am aufwendigsten produzierten Seifenopern ausgestrahlt.

Höchste Alambereitschaft wegen möglicher Terroranschläge

Die Türkisch Islamische Union Ditib, die größte Islam-Organisation in Deutschland, erklärte, der Ramadan sei auch gesellschaftlich relevant. In der Zentralmoschee in Köln hätten in der Vergangenheit jeden Abend rund 1000 Menschen zusammen am Tisch gesessen. Dieses Jahr lädt die Ditib am 10. Mai zum zentralen Iftar nach Köln ein. Für viele Muslime ist der Ramadan auch ein willkommener Anlass für eine Diät. Im Iran und in vielen arabischen Ländern sind landesweit alle Restaurants bis zum Abend geschlossen. Ausnahmen sind Hotels und Raststätten für Ausländer und Reisende, die nicht zu fasten brauchen.

In vielen Ländern sind auch Sicherheitsdienste in Alarmbereitschaft. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere radikale Gruppen hatten den Ramadan in früheren Jahren für Anschläge genutzt. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi kündigte erst vor wenigen Tagen Vergeltung für den Untergang des IS-Herrschaftsgebietes in Syrien und im Irak an.

(ce/dpa)