Mitglieder der Jungen Union grölen Wehrmachtslied

14.11.2018 16:35 Uhr

Eklat in einer Kneipe in Berlin Moabit: 15 Mitglieder der Jungen Union Hessen sollen dort das bei der Wehrmacht beliebte "Westerwaldlied" gesungen haben. Das berichtet der "Tagesspiegel".

Der Vorfall ereignete sich demnach am 9. November. Ausgerechnet an dem Tag, an dem in Deutschland an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht gedacht wurde.

Schwulenfeindliche Bemerkungen

Wie es weiter heißt, war die offensichtlich angetrunkene Gruppe schon zuvor mit lautstarken Parolen aufgefallen. Sie sollen immer wieder laut "CDU" gebrüllt und schwulenfeindliche Bemerkungen gemacht haben.

Offenbar hatten die jungen Männer und Frauen auch nichts dagegen, dass sie dabei gefilmt wurden. Die jüdische Künstlerin Mia Linda Alvizuri Sommerfeld, die an dem Abend zufällig vor Ort war, filmte das bittere Treiben mit ihrem Handy. Die Sequenz verbreitete sich anschließend schnell im Internet.

Das "Westerwaldlied" ("Heute wollen wir marschier´n/einen neuen Marsch probier´n/in dem schönen Westerwald/ja da pfeift der Wind so kalt") ist umstritten. Es wurde von Soldaten der Wehrmacht bei Einmärschen in Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden gesungen. Im vergangenen Jahr wurde das "Westerwaldlied" aus dem Liederbuch der Bundeswehr gestrichen. Verboten ist es aber nicht.

"Macht mich fassungslos"

Klar, dass die Junge Union Hessen nun in Erklärungsnot ist. Sprecher Leopold Born sagte dem "Tagesspiegel", dass die Fahrt nach Berlin, die unter dem Motto "Berlin - Tag und Nacht: Politik, Party und Sightseeing" stand, allein von den Verbänden Limburg und Rheingau-Taunus organisiert worden sei. Bislang soll nur der im Video klar erkennbare Vorsitzende der JU Limburg, Nils Josef Hofmann, seine Teilnahme bestätigt haben.

Die Grünen in Berlin reagierten geschockt über den Vorfall. "Am 80. Jahrestag der Novemberpogrome beliebte Wehrmachtslieder zu singen, macht mich fassungslos", erklärte June Tomiak im Abgeordnetenhaus. Sven Kohlmeier (SPD) sprach von "ein paar Rechtsverirrten bei der Jungen Union", die es auch schon früher gegeben hätte.

(bl)