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Mit dem Auto in die Türkei - Was ist eigentlich der "Sila Yolu"?

1.8.2020 16:06 Uhr

Jedes Jahr im Sommer machen sich tausende Familien mit türkischen Wurzeln auf in die Heimat – und das nicht etwa mit dem Flieger, sondern mit dem Auto. Der Weg führt einmal quer durch Europa und man kennt die Strecke in die Türkei als "Sila Yolu".

Viele türkische Kinder der Siebziger und Achtziger Jahre erinnern sich noch lebhaft an die Fahrten. Viele von uns haben die Reise mittlerweile sogar selbst mindestens einmal angetreten. Vielleicht sogar mit den eigenen Kindern. Der Sila Yolu bedeutet für viele von uns vor allem eines: Nostalgie. Damals konnte man nicht "mal eben" in den Urlaub fliegen. Man fuhr und das vom ersten bis zum letzten Sommerferientag.

Auch trotz Corona haben sich zahlreiche Familien auf den Weg in die Türkei gemacht (Bild: dha)

Damals brachten wir kistenweise Milka und Mars mit, um sie unseren Freunden zu schenken. Heute ist es andersherum. Wir fahren und füllen den Kofferraum auf der Rückreise mit all den türkischen Leckereien, die wir sonst über das Jahr hinweg vermissen.

Wo geht's lang?

Wenn man vom Sila Yolu spricht, hört sich das vielleicht an wie eine einzige Strecke - doch das stimmt eigentlich nicht. Es gibt gleich mehrere Routen, über die man in die Türkei kommt. Wenn wir also vom Sila Yolu reden, meinen wir damit generell die Reise mit dem Auto in die Türkei und nicht unbedingt eine bestimmte Strecke. Hier sind die gängigsten Routen – bei denen es momentan allerdings aufgrund der sich stetig ändernden Corona-Regelungen zu Problemen kommen kann.

  • Die südliche Route
  • Die Süd-Route führt wahlweise über Salzburg (Österreich) und Ljublijana (Slowenien) oder über die Pyhrnautobahn (Österreich) und Maribor (Slowenien) nach Zagreb (Kroatien). Von dort geht es weiter in das serbische Belgrad, in die bulgarische Hauptstadt Sofia und von dort weiter in die Türkei.
  • Die nördliche Route
  • Wer aus dem Norden oder Osten Deutschlands in die Türkei reisen will, für den bietet es sich an, über Prag (Tschechien), Bratislava (Slowakei) und Budapest (Ungarn) bis nach Belgrad (Serbien) zu fahren und von dort auf die Südroute aufzufahren.
  • Griechenland-Route
  • Wer über Griechenland fahren möchte, muss in der serbischen Stadt Nis über Nordmazedonien Richtung Thessaloniki. Von dort geht es weiter zum Grenzübergang Ipsala. Unter normalen Umständen - also wenn es keine Einschränkungen wegen des Coronavirus gibt - kann man auch mit der Adriafähre nach Igoumenitsa und von dort auf der A2 weiter Richtung Istanbul.

Die Routen in die Heimat (Grafik: Hürriyet.de)

Wie lange braucht man?

Das kommt auf verschiedene Faktoren an – unter anderem, was für ein "Typ" Reisender man selbst ist. Da gäbe es einmal den "perfekt vorbereiteten Autotouristen". Jede Rast ist genau eingeplant, die Hotels für unterwegs sind gebucht und im besten Fall plant man auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten ein. Beispielsweise in Salzburg oder Belgrad oder Sofia. Auch die Mautgebühren sind, sofern möglich, bereits im Vorfeld gezahlt. Dann kann die Reise – sagen wir beispielsweise von Frankfurt am Main aus – schon mal vier Tage dauern. Dafür hat der Fahrer auf dem durchgeplanten Weg keinen Stress, übermüdet nicht und macht die Reise zu einem Teil seines Urlaubs.

Dann gäbe es da diejenigen, die einfach nur so schnell wie möglich in der Türkei ankommen wollen. Im besten Fall befinden sich im Auto gleich drei Personen mit Führerschein, die sich abwechseln können. So wird an einem Streifen und nur mit kurzen Essenspausen durchgefahren. Da schafft man die Strecke bis zum Grenzübergang in Edirne auch in 36 Stunden.

Und wie immer gibt es natürlich auch den goldenen Mittelweg: Man fährt gemütlich, aber trödelt nicht und macht Rast, wann immer man Lust hat, Hunger verspürt oder einfach mal ein Päuschen braucht, um die Beine zu vertreten. Man schläft, falls man ein Hotel findet. Oder man übernachtet auch mal auf einem geschützten und beleuchteten Parkplatz im Auto und kommt relativ entspannt nach rund zwei Tagen in der Türkei an. Ab Kapikule trennen sich dann die Wege. Die Fahrtrichtung orientiert sich daran, ob man in die Heimat im Südosten, zum Schwarzmeer oder an die Küstenprovinzen im Südwesten möchte.

Warum sollte man sich das antun?

Eine gute Frage, wo das Fliegen doch mittlerweile erschwinglich und so viel schneller ist. Doch viele Reisende möchten auch in der Türkei mobil sein und ihren Urlaub an verschiedenen Orten verbringen. Ganz unabhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Mietwagen. Zum anderen kann man mit dem Auto natürlich auch viel mehr Gepäck mitnehmen, als das beim Fliegen der Fall wäre. Und natürlich der wichtigste Grund: Mit vielen Personen kann die Fahrt mit dem Auto wesentlich günstiger sein. Für eine vier- oder fünfköpfige Familie sind die Flugtickets in der Hauptsaison schon ein erheblicher Kostenfaktor. Selbst als Frühbucher. Hier werden bei fünf Hin- und Rückreise-Tickets auch mal 3000 Euro fällig. Da ist die Fahrt mit dem Auto natürlich wesentlich preisgünstiger.

Sonnenblumenfelder wohin man sieht (Bild: dha)

Aber für viele ist es auch das Gefühl, das Heimatland oder das Land, in dem man Wurzeln hat, einmal von einer anderen Seite zu sehen. Nichts geht über das Gefühl, die letzte Grenze hinter sich gebracht zu haben und die Sonnenblumenfelder außerhalb von Edirne zu sehen. Die letzten Kilometer, bevor man im eigenen Haus, bei der Familie oder im Hotel ankommt, sind das, was uns dann erst so richtig in Urlaubsstimmung versetzt.Doch nicht nur für Menschen mit Wurzeln in der Türkei ist der Trip über den Sila Yolu ein Abenteuer. Man trifft an den Grenzen auch viele Deutsche, die einfach Lust auf einen Roadtrip haben. Und es lohnt sich wirklich, im Urlaub sieben Länder zu sehen, wenn man die südliche Route wählt.

(Berna Ehrhardt)

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