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Missbrauchsfall Lügde: Polizeianwärter sichtete Beweismaterial

22.2.2019 16:34 Uhr

Erst gehen im Missbrauchsfall Lügde 155 Datenträger mit Beweismitteln verloren, und jetzt kommt heraus, dass die Beweise von einem Polizeianwärter gesichtet wurden.

Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist ein Polizist in Ausbildung mit der Auswertung von sichergestelltem Datenmaterial beauftragt worden. Es handele sich um einen Kommissaranwärter, der mit der Sichtung der Beweismittel betraut gewesen sei, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums.

Nicht verboten, aber unverantwortlich

"Dieses Vorgehen verstößt zwar nicht gegen Dienstvorschriften, ich halte es aber trotzdem für unverantwortlich - gerade in einem derart anspruchsvollen und sensiblen Fall", sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) der "Rheinischen Post". Auch andere Medien hatten darüber berichtet.

Der Fall des Kindesmissbrauchs in Lügde im Kreis Lippe hat sich zu einem Polizeiskandal entwickelt. Reul hatte am Donnerstag eingeräumt, dass 155 Datenträger, die als Beweismaterial gelten, seit Wochen verschwunden seien. Ein Sonderermittler mit vier Mitarbeitern des Landeskriminalamts soll den Verbleib der Datenträger klären. Die Beamten überprüften nun auch den Einsatz des Polizeianwärters, sagte die Ministeriumssprecherin am Freitag. Sie machte keine Angaben, ob weitere Ermittler mit der Sichtung der großen Datenmengen betraut gewesen seien.

(be/dpa)