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Missbrauchsfall: Französischer Kardinal Barbarin wehrt sich gegen Schuldspruch

28.11.2019 15:01 Uhr

Kardinal Philippe Barbarin, ehemals höchster katholischer Würdenträger Frankreichs, steht in einem Berufungsprozess erneut wegen der Vertuschung sexuellen Missbrauchs vor Gericht.

Barbarin wehrt sich in dem am Donnerstag in Lyon eröffneten Berufungsprozess gegen seine Verurteilung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Im März hatte ihn ein Gericht schuldig gesprochen, jahrelang zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Priester geschwiegen zu haben. Der 69-jährige Barbarin sagte nun vor Gericht: "Ich verstehe nicht, wessen ich schuldig sein soll und was die Taten sind, die man mir vorwirft."

"Irrtümer" eingestanden

Er habe "Irrtümer" eingestanden, sehe aber keine Schuld im juristischen Sinne. Einer seiner Anwälte äußerte sich zuversichtlich, einen Freispruch für den Kardinal erwirken zu können.Barbarin hofft auf Rehabilitierung: Seit dem Schuldspruch lässt der 69-Jährige sein Amt als Erzbischof von Lyon ruhen. Papst Franziskus hatte ein Rücktrittsgesuch seines französischen Oberhirten bei einer Privataudienz in Rom im März abgelehnt und auf die "Unschuldsvermutung" verwiesen. Die Opfer des Priesters hoffen dagegen auf eine Bestätigung des Schuldspruchs. An dem Berufungsverfahren nehmen mehrere frühere Pfadfinder teil. Sie geben an, in den Jahren vor 1991 von dem Priester Bernard Preynat sexuell missbraucht worden zu sein.

Jahrelanges Schweigen

Kardinal Barbarin soll nach Übernahme der Diözese Lyon im Jahr 2002 von den Taten des Priesters erfahren haben, schwieg nach Überzeugung der Opfer aber jahrelang, bis der Fall 2015 durch Aussagen eines Opfers öffentlich wurde. Der Missbrauchsprozess gegen den Priester Preynat soll im Januar beginnen. Die meisten Übergriffe, die ihm zur Last gelegt werden, sind allerdings verjährt. Die katholische Kirche Frankreichs erkannte ihm seine geistliche Würde nach dem Schuldspruch für den Kardinal ab.

(be/afp)

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