Milchglasmuster: Corona-Spätfolgen alarmieren Ärzte

28.7.2020 8:00 Uhr

Dimitri Boulgacov infizierte sich vor gut zwei Monaten mit dem neuartigen Coronavirus. An den Verlauf kann sich der 46-Jährige noch sehr gut erinnern.

"An Symptomen hatte ich zehn Tage lang hohes Fieber, totale Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, ich hatte auch keinen Geruch- und Geschmackssinn mehr. Ich konnte auch meine Augen kaum noch bewegen. Das war wirklich katastrophal."

Obwohl die Krankheit bei Dimitri Boulgakov einen vergleichsweise milden Verlauf nahm, gehört er nun zu den Patienten, bei denen die Krankheit auch mehr als zwei Monate nach dem Ausbruch immer noch nicht ausgestanden ist.

"Mir geht es Woche zu Woche besser. Das ist jetzt schon fünf Wochen her. Im Ruhezustand kann ich jetzt ganz normal atmen. Und ich kann sagen, dass ich jetzt auch ganz normal tief einatmen kann. Aber bei physischen Belastunge, wie beispielsweise beim Treppen laufen oder beim Ballspielen mit den Kindern, dann spüre ich, dass es nicht wie früher ist."

Torsten Blum ist Oberarzt in der Berliner Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring. Und der behandelde Arzt von Dimitri Boulgacov.

Ob die Einschränkungen, unter denen der Familienvater leidet bleiben, das kann der Arzt noch nicht sagen. Denn dazu fehlen Erfahrungswerte.

"Derzeit gibt es dazu noch keine wissenschaftlichen Publikationen, die das eindeutig zeigen. Wir sehen aber Patienten, die noch eindeutige Veränderungen im Bereich der Lunge haben."

Die lassen sich auch bei Dimitri Boulgakov erkennen, wie eine Computertomographie seiner Lunge zeigt.

"Und hier sehen wir überall ein sogenanntes Milchglasmuster. Das sind die verbliebenen infiltrativen Veränderungen. Hier, hier, hier und hier"

Für eine Prognose sei es laut dem Oberarzt noch zu früh. Der nächste Termin von Dimitri Boulgakov ist in drei Monaten.

"Wir haben jetzt in den letzten 14 Tagen acht Patienten gesehen bei uns in der Ambulanz, die Covid durchgemacht haben, also nicht im Krankenhaus, wo die Fragestellung war: Was ist die Erklärung für die anhaltende Luftnot? Wir haben daraufhin Röntgenbild gesehen, dass sich die Lungenentzündung noch nicht zurückgebildet hat.."

Für die Ärzte ist die Krankheit noch neu. Leider zu neu, um genau zu sagen können, wie es sich langfristig auf den Körper auswirkt.

(it/dpa)