Symbolbild: epa/Stringer

Migranten treten in Hungerstreik

10.7.2019 0:16 Uhr

In Libyen sind nach Luftangriffen auf ein Internierungslager Hunderte Migranten und Flüchtlinge in Hungerstreik getreten. Sie wollten aus dem Land gebracht werden und forderten Zusagen der Vereinten Nationen, dass das Lager nicht erneut angegriffen wird, sagte Lagersprecher Mahmud Tawir der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Etwa 360 Menschen beteiligten sich demnach an dem Hungerstreik. Auch UN-Vertreter hätten sie bei einem Besuch im Lager nicht davon abbringen können.

Bei zwei Luftangriffen waren vergangene Woche dem UN-Nothilfebüro Ocha zufolge mindestens 53 Menschen in dem Lager Tadschura im Osten der Hauptstadt Tripolis getötet worden, etwa 130 weitere wurden verletzt. Die Attacken erfolgten im Krieg zwischen Truppen der Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch und General Chalifa Haftar, der im April eine Offensive auf Tripolis angeordnet hatte. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, für die Angriffe verantwortlich zu sein.

Migranten wollen Lager nicht verlassen

Die Migranten und Flüchtlinge in Tadschura weigerten sich aus Angst vor weiteren Angriffen seitdem, im Inneren des Lagers zu schlafen, sagte Tawir. Sie wollten auch in kein anderes Lager verlegt werden, aus Sorge, dass dies ihre erhoffte Reise in ein anderes Land verzögern könnte. Zudem habe die für Mahlzeiten verantwortliche Firma ihre Lieferungen wegen unbezahlter Rechnungen Anfang April eingestellt, sagte Tawir. Die Leitung des Lagers könne für jeden Migranten derzeit nur eine Mahlzeit am Tag zur Verfügung stellen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Libyen seit Beginn der Kämpfe im April mehr als 1000 Menschen getötet worden, darunter mehr als 100 Zivilisten. 94 000 Menschen wurden dem Nothilfebüro Ocha zufolge vertrieben.

(an/dpa)

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