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Messe in Bleiburg abgesagt - Kritik aus Kroatien

10.3.2019 14:07 Uhr

Die örtliche Kirche in der kärtnerischen Grenzgemeinde Bleiburg wird keine Messe für die Opfer der Tito-Partisanen lesen. Die kroatische Präsidentin Kolina Grabar-Kitarovic bedauert das nun. Als Staatsoberhaupt könne sie sich nicht in die Angelegenheiten zwischen kirchlichen Autoritäten einmischen, erklärte sie am Samstagabend. "Doch als Kroatin und Katholikin bedaure ich diese Entscheidung zutiefst."

Am Freitag hatte der Diözesanadministrator der kärntnerischen Diözese Gurk, Engelbert Guggenberger, bekanntgegeben, dass er in diesem Jahr die Genehmigung für die Messfeier am 18. Mai in Bleiburg nicht mehr erteilen werde. Guggenberger hatte dies damit begründet, dass die Feier «politisch instrumentalisiert» werde. Als "Teil eines politisch-nationalen Rituals" diene sie "einer selektiven Wahrnehmung und Deutung von Geschichte".

Keine faschistischen Symbole der Ustascha-Herrschaft

Guggenberger wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren Teilnehmer der Messe sich nicht an die Auflage der Diözese gehalten hätten, keine Symbole der faschistischen kroatischen Ustascha-Herrschaft (1941-1945) zur Schau zu stellen. Würde die katholische Kirche in Kärnten die Liturgiefeier weiterhin zulassen, würde sie sich dem Vorwurf aussetzen, «die entsprechende Distanz zu faschistischem Gedankengut vermissen (zu) lassen».

In Bleiburg gedenken Tausende Kroaten jährlich jener rund 40 000 Menschen, die die Briten im Mai 1945 dort interniert und als mutmaßliche Kollaborateure Nazideutschlands an die jugoslawischen Partisanen unter Josip Broz Tito ausgeliefert hatten. Die Partisanen hatten die meisten von ihnen anschließend ohne Gerichtsverfahren in den slowenischen Karstregionen erschossen.

Die Messe ist Teil des Gedenkens, sie wird von kroatischen Geistlichen zelebriert. Für ihre Abhaltung auf österreichischem Boden ist die Genehmigung der zuständigen Diözese erforderlich.

(an/dpa)