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Merkel: Coronavirus größte Herausforderung seit 1945

18.3.2020 18:39 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat anlässlich der Krise, die weltweit durch das Coronavirus ausgelöst worden ist, an alle Menschen und besonders die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland appelliert. Die Kanzlerin sprach von der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, der sich die Welt derzeit ausgesetzt sieht. Darum käme es darauf an, gemeinsam solidarisch zu handeln und die Einschränkungen des Lebens, die derzeit durchgesetzt werden, diszipliniert zusammen zu tragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus eine Aufgabe von historischem Ausmaß. "Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt", sagte sie in einer Fernsehansprache, die am Mittwochabend ausgestrahlt werden sollte. Darin appellierte Merkel an die Bürger, die Einschränkung des öffentlichen und sozialen Lebens mitzutragen.

Jeder fragt sich, wie es weitergeht

"Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialem Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor", sagte die Kanzlerin. Das Coronavirus verändere das Leben in Deutschland dramatisch. Sie wisse, wie hart die Schließungen etwa von Veranstaltungsräumen, Schulen, Kitas und Spielplätzen sei. "Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab."

"Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverständlich sind", sagte Merkel. In solch einer Situation sei selbstverständlich "jeder von uns" voller Fragen und Sorgen, wie es weitergeht.

Staatliche Maßnahmen dürfen nicht ins Leere greifen

Dennoch müssten die Vorschriften befolgt werden, betonte Merkel. Es sei "existentiell", das öffentliche Leben so weit es geht herunterzufahren. "Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist."

Das "Dringendste" sei ihr die Botschaft, dass alle staatlichen Maßnahmen ins Leere gehen würden, "wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst", sagte die Kanzlerin. "Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung." Merkel verwies darauf, dass es derzeit weder eine Therapie noch einen Impfstoff gegen das Virus gibt. "Solange das so ist, gibt es nur eines, und das ist die Richtschnur all unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen."

Mehr als 10.000 Infizierte in Deutschland

Dies gebe der medizinischen Forschung Zeit und helfe, die Erkrankten bestmöglich zu versorgen. Deutschland habe zwar "ein exzellentes Gesundheitssystem", doch auch die hiesigen Krankenhäuser wären "völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Corona-Infektion erleiden". Merkel versicherte zugleich, die Bundesregierung tue alles, was sie könne, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern "und vor allem um Arbeitsplätze zu bewahren". Die Bürger könnten sich außerdem darauf verlassen, "dass die Lebensmittelversorgung jederzeit gesichert ist". Hamsterkäufe bezeichnete Merkel als "sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch".

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland war am Mittwoch auf über 10.000 angestiegen. Am Mittag zählte die in der US-Stadt Baltimore ansässigen Johns-Hopkins-Universität (JHU) 10.069 Fälle. Insgesamt 26 Menschen starben demnach in der Bundesrepublik bisher am Coronavirus. Um die Ausbreitung zu verlangsamen, wurde das öffentliche Leben in den vergangenen Tagen stark eingeschränkt.

(ce/afp)

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