afp

Merkel betont Pflicht zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

26.1.2019 16:14 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit deutlichen Worten an die deutsche Öffentlichkeit und die ganze Welt gewandt. Sonntag findet der offizielle Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus statt und Merkel betonte, wie wichtig dieser Tag für Deutschland und die ganze Welt sei. Ein Tag gegen Rassenwahn und Hass.

Anlässlich des Opfer-Gedenktages am Sonntag sagte die Kanzlerin: "Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können." Diese Erinnerung sei wichtig, "um eine Wiederholung zu verhindern", hob Merkel am Samstag in ihrem wöchentlichen Video-Podcast weiter hervor.

Es sei die Aufgabe jedes Einzelnen, "Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen", sagte Merkel weiter. Sie verwies auch auf das diesbezügliche Engagement der Bundesregierung. So solle es künftig eine beim Antisemitismus-Beauftragten der Regierung, Felix Klein, angesiedelte Meldestelle für antisemitische Vorfälle geben. Mit einer Reihe von Programmen unterstütze die Regierung zudem Gruppen, "die in der Zivilgesellschaft für Menschlichkeit werben".

Knobloch nach AfD-Schelte Zielscheibe für Beschimpfungen und Bedrohungen

Klein attackierte im Interview der Woche des Deutschlandfunks die rechtspopulistische AfD, die "viele antisemitische Positionen" vertrete. Als Beispiele nannte er Forderungen nach einem Verbot der traditionellen Beschneidung und des rituellen Schächtens. Gerade die Beschneidung sei jedoch "unabdingbare Voraussetzung jüdischen Lebens". Zudem hätten Angriffe etwa des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke auf die Erinnerungskultur in Deutschland einen "sekundären Antisemitismus ausgelöst".

"Wir müssen den Anfängen wehren", verlangte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, mit Blick auf neuen Antisemitismus in Deutschland. Sie forderte in der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag einen "Aufschrei der gesellschaftlichen und politischen Institutionen" und "gesellschaftlichen Widerstand" gegen den wieder zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.

Knobloch selbst ist nach eigenen Angaben Zielscheibe massiver Bedrohungen, seit sie sich im bayerischen Landtag am Mittwoch kritisch mit der AfD auseinandergesetzt hatte. Knobloch hatte die Partei in einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus als verfassungsfeindlich kritisiert, die AfD-Abgeordneten hatten daraufhin den Plenarsaal verlassen.

Auch Romani Rose kritisiert die AfD

Der "PNP" sagte Knobloch allerdings nun, sie erlebe Judenhass "von allen Seiten - von der politischen Linken, von Rechtsextremen wie der AfD und von Muslimen, die den Judenhass mit einer Israelfeindlichkeit verbinden". Zwar habe sie den Glauben an Deutschland noch nicht verloren, "aber es ist fünf vor Zwölf". Sie kritisierte, ihr fehle gegen Extremismus "der große gesellschaftliche Widerstand".

Scharfe Kritik an der AfD äußerte auch der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose. Die AfD wolle "sich nicht den demokratischen Regeln unterwerfen, sondern ein anderes Geschichtsbild in unsere Gesellschaft tragen", sagte Rose am Samstag im Deutschlandfunk. Auch mit Blick auf die Attacken auf Knobloch sprach er von einer "besorgniserregenden Entwicklung". Ebenso besorgniserregend seien "Angriffe offen auf der Straße gegen Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft", von denen auch Sinti und Roma betroffen seien.

(ce/afp)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.