Hürriyet

Von Antalya nach Konya: Wandern auf der Karawanenstraße Melas Kervan Yolu

2.10.2020 21:17 Uhr

Seit Jahrhunderten verbindet die Melas Kervan Yolu Antalya mit Konya. Die einst wichtige Handelsstraße ist heute eine in Etappen geteilte Wanderroute durch die ursprüngliche Landschaft des Taurusgebirges.

Durch ganz Anatolien spannt sich ein Netz uralter Wege. Die ältesten wurden von den Römern als gepflasterte Fernstraßen und Handelsrouten angelegt. Die Seldschuken nutzten diese Straßen später, verdichteten das Netz aber und banden es an die Seidenstraße an. Für die schwer beladenen Kamelkarawanen ließen die Sultane neue, etwa zwei Meter breite Straßen bauen, die nicht zu steil bergauf- oder bergab führen und nicht zu kurvig sein durften. Brücken und Befestigungen wurden errichtet, für die Instandhaltung war gesorgt. Die verpartnerten Handelshäuser, überwiegend Italiener, verlangten all dies für den sicheren Transport ihrer Waren.

Denkmal und Kulturgut

Noch bis in die Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts wurden die Karawanenstraßen von Händlern genutzt. Seither sind einzelne Abschnitte jedoch unter asphaltierten Straßen verschwunden, andere wurden dem Verfall überlassen. Nichtsdestotrotz erachten die Türken die Karawanenstraßen als ein kulturelles Erbe und historische Denkmäler. Die Idee, dort zu wandern haben insbesondere die älteren Generationen sicher nicht, doch mit der Etablierung des Wandertourismus werden die Karawanenstraßen wiederentdeckt.

Wanderer auf der Kervan Yolu (Bild: Hürriyet)

Die bekannteste, die Melas Kervan Yolu, hat ihrem Namen vom Fluss Manavgat, der früher Melas hieß. Am Fluss entlang führt sie durch die Wälder und Schluchten der Geyik- und Gidengelmez-Berge, die zum Taurusgebirge gehören. Ausgangspunkte für Wanderungen liegen oberhalb des Oymapinar-Stausees von Manavgat bei der Ortschaft Sianhoca, bei Akseki sowie bei Seydisehir in der Provinz Konya.

Tagesausflug oder Wanderurlaub

Rotweiße Schilder markieren die Karawanenstraße. Manche von ihnen wurden von Wind und Wetter aber abgewaschen, also sollte man sich bei seiner Wanderung lieber auf das Smartphone-Navi verlassen. Wer nur einen Tag lang auf den Spuren der seldschukischen Händler wandern möchte, sollte sich genauso gut vorbereiten wie Wanderer, die ihren gesamten Urlaub auf der geschichtsträchtigen Route verbringen möchten.

Wunderschöne Pflanzen begleiten Wanderer der Kervan Yolu auf ihrem Weg (Bild: Hürriyet)

In der Nähe der Städte Manavgat, Akseki und Seydisehir bieten sich natürlich Hotels zur Übernachtung an. Wer auf diesen Komfort verzichten möchte, kann sich in den Bergdörfern um eine Unterkunft bemühen. Hierfür sollte der jeweilige Gemeindevorsteher besucht werden. Naturcamper können ihr Zelt u.a. auf dem Maden-Platau und dem Degirmenlik-Plateau aufschlagen. Auf einigen Abschnitten, wie in den Gidengelmez-Bergen, leben Bären. Eine klappernde Metalltasse am Rucksack, eine Glocke oder Pfeifen halten die Tiere fern.

Natur und Kultur in Kombination

Kervan Yolu - Zu jeder Jahreszeit wunderschön (Bild: Hürriyet)

Die Wanderlust und der Genuss der Natur werden mancherorts durch eine Geschichtsstunde bereichert. Zur Versorgung der Karawanen gab es einst alle 40 Kilometer Karawansereien. Viele sind inzwischen verschwunden oder liegen in Ruinen. Eine gut erhaltene Karawanserei ist die Kargi Han mit Moschee und Badehaus, die um das Jahr 1250 herum entstanden sein soll. Sie liegt nördlich der Ortschaft Beydigin.

(jk)

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