epa/Nabil Mounzer

Mehr als 200 Verletzte bei Protesten in Beirut

12.2.2020 15:20 Uhr

In der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten mehr als 200 Menschen verletzt. Regierungsgegner versuchten am Dienstag, Abgeordnete auf dem Weg ins Parlament zu stoppen, um so eine Sitzung des Hauses zu verhindern. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, Demonstranten warfen Steine und stürzten einen Betonblock um, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Von den mehr als 200 Verletzten seien 26 ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte das libanesische Rote Kreuz.

Im Libanon kommt es seit Oktober zu Protesten gegen die Führungselite. Die Demonstranten prangern unter anderem die weit verbreitete Korruption und die schlechte Infrastruktur an. Regierungschef Saad Hariri trat auf Druck der Straße zurück.

Schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg

Bei den Demonstrationen kam es bereits mehrfach zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Die Proteste haben im Libanon die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990 ausgelöst.

Das Parlament soll in dieser Woche dem neuen Ministerpräsidenten Hassan Diab und seinem Kabinett das Vertrauen aussprechen. Bei der Vorstellung seines Regierungsprogramms versprach Diab am Dienstag einen Notfallplan und Reformen, unter anderem um die Korruption zu bekämpfen. An der Sitzung nahmen 67 von insgesamt 128 Abgeordneten teil, wie die staatliche Agentur NNA meldete.

Die Demonstranten forderten die Abgeordneten auf, der neuen Regierung das Vertrauen zu verweigern. "Wir lehnen solch ein Kabinett ab", sagte einer von ihnen einem lokalen TV-Sender. "Es heißt, es bestehe aus Experten, aber in Wirklichkeit gehören sie alle derselben korrupten regierenden Klasse an." Die neue Regierung wird vor allem von der Iran-treuen schiitischen Hisbollah-Bewegung und dem mit ihr verbündeten Präsidenten Michel Aoun unterstützt.

In dem kleinen Land am Mittelmeer ist die Macht nach einem jahrzehntealten Proporzsystem auf die unterschiedlichen Konfessionen verteilt. Der Präsident ist immer ein Christ, der Regierungschef ein Sunnit und der Parlamentschef immer ein Schiit. Die Hisbollah hat sich jedoch zur einflussreichsten politischen Kraft entwickelt.

(an/dpa)

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