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Medizinhersteller wollen Klarheit bei Verteilung von Beatmungsgeräten

28.3.2020 22:56 Uhr

Stefan Dräger, der Chef des Medizintechnikkonzerns Dräger, fordert rasche Klarheit bei der Verteilung der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestellten 10 000 Beatmungsgeräte. Die ersten der bestellten Gerate seien jetzt fertig, aber die Verteilung sei immer noch unklar, sagte Dräger dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Viele Kliniken rufen uns deshalb direkt an.»

Bei aller Not müsse man nun darauf schauen, dass die Ressourcen bestmöglich verteilt werden. Dräger forderte laut «Spiegel», Zentren bevorzugt zu beliefern, die ARDS-Patienten, also jene mit akutem Lungenversagen, behandeln können. Es müsse verhindert werden, dass Krankenhäuser «eine Superausrüstung für wenig Geld bekommen, mit der sie gar nicht umgehen können», sagte Dräger.

Keine Kooperation mit Autokonzernen geplant

Von der Idee, dass Automobilzulieferer und andere Firmen Komponenten für Beatmungsgeräte herstellen, hält er nichts. Stattdessen sieht er Potenzial darin, Beatmungsgeräte aus dem Rettungsdienst oder aus der Anästhesie zu verwenden. «Wir schätzen, dass man allein in Deutschland 5.000 Geräte aus dieser Reserve mobilisieren könnte.»

Das Unternehmen hat im Zuge der Corona-Krise auch seine Produktion von Atemschutzmasken verdoppelt. Um den Mangel an Masken künftig zu beheben, forderte Dräger in Deutschland ein intelligentes System, um eine bestimmte Menge Masken zu lagern. Masken, die sich dem Verfallsdatum näherten, müssten dann nach und nach aus dem Lagersystem geholt und verkauft werden, sagte der Konzernchef.

Spahn will derweil keine detaillierte Auskunft über die Liefertermine der bestellten Beatmungsgeräte geben. «Die Dringlichkeit der Beschaffung von Beatmungsgeräten wurde in der Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung am 10. März 2020 festgestellt», heißt es in der Antwort auf eine schriftliche Anfrage des FDP-Abgeordneten Christoph Hoffmann, die der Zeitung «Welt» vorliegt. Die bei der Firma Dräger bestellten Geräte würden nun «sukzessive, nach Produktionsstand, ausgeliefert werden».

Hoffmann wertete diese «Nicht-Antwort» des Ministeriums als Hinweis darauf, dass sich die Auslieferung hinziehen werde und die Beatmungsgeräte nicht zeitnah zur Verfügung stehen werden. Das Gesundheitsressort habe entweder den Überblick verloren oder «verweigert aus gutem Grund die Antwort», sagte er der «Welt».

(an/dpa)

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