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Medienberichte: Türkei hat Energieressourcen im Schwarzen Meer entdeckt

20.8.2020 16:41 Uhr

Die Türkei hat Energieressourcen im Schwarzen Meer entdeckt - höchstwahrscheinlich Erdgasfelder – teilte das Nachrichtenmagazin Bloomberg am Mittwoch mit. Dabei bezog sich das Nachrichtenportal auf zwei nicht genannte Personen mit direktem Wissen über die Angelegenheit. Auch einen Hinweis auf die Größe und Tiefe des Funds und Informationen darüber, wie schwierig es sein würde, die Ressourcen zu erschließen, blieb man schuldig.

Die beiden Informationsquellen sprachen laut Bloomberg, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt hatte, der Türkei am Freitag "gute Nachrichten" zu überbringen, die eine neue Ära für die Nation einleiten würden. Die Energie-Unabhängigkeit ist sicherlich eine Nachricht, die diesen Charakter haben würde. Der Präsident fuhr fort, dass man die Energieexploration in den Mittelmeergewässern fortsetzen würde. Bloomberg hatte umgehend nachgefragt, ob dieser Fund der Realität entsprechend würde, aber nach Meldungen der Newsseite lehnte das Büro des Präsidenten eine Stellungnahme ab.

Wie groß sind die möglichen Erdgasfelder?

Die türkische Lira legte in der Folge Nachrichten gegenüber US-Dollar und Euro als Ankerwährungen zu und notierte am späten Mittwoch um 1,2 Prozent stärker als zuvor. Der Referenzindex der Borsa Istanbul 100 stieg ebenfalls um 3 Prozent an, nachdem Präsident Erdogan gesprochen hatte. Die Aktien von Turkiye Petrol Rafinerileri AS oder Tupras und des petrochemischen Herstellers Petkim Petrokimya Holding AS siegen um 7,6 und 9,9 Prozent. Energieminister Fatih Dönmez sagte letzten Monat, dass das Bohrschiff Fatih mit der Exploration in der sogenannten Tuna-1-Zone vor der türkischen Stadt Eregli begonnen habe.

"Es gab bereits Gasentdeckungen im Schwarzen Meer, jedoch in begrenztem Umfang", sagte Timothy Ash, Stratege bei BlueBay Asset Management LLP in London, auf Twitter. "Angesichts der jährlichen Energieimportrechnung von 35 bis 50 Milliarden US-Dollar braucht die Türkei etwas Großes, um ein Game-Changer zu werden." Tuna-1, rund 150 Kilometer von der türkischen Küste entfernt, liegt in der Nähe eines Gebiets, in dem die Seegrenzen Bulgariens und Rumäniens zusammenlaufen. Es ist nicht weit vom rumänischen Neptun-Block entfernt, dem größten Gasfund im Schwarzen Meer seit Jahrzehnten, der vor acht Jahren von Petrom und Exxon entdeckt wurde. Laut einer Website der türkischen Marine führt die Fatih seit etwa Mitte Juli Bohrungen im Gebiet Tuna-1 durch.

Schafft die Türkei die Unabhängigkeit vom Energieimport?

Rumänien hat Flachwassergasprojekte laufen, aber ein wichtiger Tiefwasserfund von OMV Petrom SA vor acht Jahren muss erst noch genutzt werden. Ein von der Carlyle Group unterstütztes Unternehmen erkundet Rumänien ebenfalls und zielt darauf ab, bis 2021 Gas zu fördern. Rosneft hat den russischen Teil des Schwarzen Meeres erkundet, jedoch ohne konkrete Ergebnisse. "Ich denke nicht, dass es überraschend ist, dass mehr Funde in der Region getätigt werden", sagte Christoph Merkel, Geschäftsführer der Merkel Energy Consultancy. "Bulgarien, die Ukraine und Griechenland könnten unter denjenigen sein, die sehr daran interessiert sind, dieses Gas auf kurzem Weg zu kaufen, wenn die Türkei beschließt, es zu exportieren."

"Abhängig von der Größe der Entdeckung erwarte ich, dass mindestens eine Teilstrecke vom TurkStream in den Leerlauf geht", sagte er weiter. "Warum sollte die Türkei weiterhin Gas aus Russland importieren wollen?" Der Gasriese Gazprom PJSC eröffnete die TurkStream-Pipeline unter dem Schwarzen Meer, um seinen Marktanteil in der Türkei zu erhöhen und die Abhängigkeit Russlands von der Ukraine als Transitroute zu verringern.

(ce)

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