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Mardin - ein Open-Air-Museum

12.5.2019 7:55 Uhr

Mardins Geschichte datiert zurück auf das 14. Jahrhundert v. Chr. Unter dem Namen Izala spielte es damals, im Mittelassyrischen Reich, eine wichtige Rolle und wird vielfach als "Wiege der Zivilisation" bezeichnet.

Im historischen Mesopotamien am Fluss Tigris gelegen, hat Mardin viele Völker kommen und gehen sehen: Römer, Christen, Türken, Kurden, Jesiden, Araber und einige mehr. In ihren Spuren kann man heute noch durch die bezaubernde Stadt wandern.

Basar, Moscheen und Koranschulen

Manchem, der nach Mardin findet, präsentiert sich eine der schönsten und in vielen Aspekten abwechslungsreichsten Städte der Türkei. Durch verwinkelte Gässchen, die von braunen Steinhäusern gesäumt sind, schlendert es sich allmorgendlich zum Basar, wo sich Menschen aus aller Herren Länder einfinden. In der Nähe des Basars befindet sich der historische Hamam Sihir Emir, in dem bis heute ausgiebig Körperpflege betrieben werden kann. Das Hamam ist morgens und abends für Männer geöffnet, tagsüber heißt es Frauen willkommen.

Zahlreiche Moscheen charakterisieren das Stadtbild, allen voran die Große Moschee, deren Minarett inschriftlich auf das Jahr 1176 datiert ist. Zudem sehenswert sind verschiedene historische Koranschulen, Medresen genannt, aufgrund ihrer beeindruckenden Portale und Innenhöfe. In einer davon, der Sitti-Radviye-Medrese kann der Fußabdruck des Propheten Mohammed bestaunt werden.

Die Erkundung braucht Zeit

Mit eine Reihe prächtiger Wohnhäuser wartet Mardin ebenfalls auf. Sie gehören vermutlich wohlhabenden armenischen und assyrischen Familien, die sich allerdings andere Bleiben gesucht haben. So stehen viele dieser kleinen Paläste leer. Da sich die Altstadt auf einer großen Fläche erstreckt und praktisch an jeder Ecke eine Sehenswürdigkeit wartet, will Zeit für den Bummel mitgebracht werden. Prinzipiell schleicht sich bei sicher jedem Besucher hier das Gefühl ein, ein Open-Air-Museum zu besichtigen.

Höchster Punkt der Stadt ist das "Adlernest". Die Zitadelle von Mardin blickt weit über die mesopotamische Ebene bis nach Syrien. Viele Kirchen der Stadt wurden in den vergangenen Jahren restauriert. Für einem Besuch empfiehlt sich das Kloster Dayro d-Mor Hananyo, auch Kloster Zafaran genannt. Das massive, syrisch-orthodoxe Kloster liegt etwas außerhalb und stammt aus dem fünften Jahrhundert. Seine 365 Räume stehen für die Tage des Jahres. Seine Kirche ist besonders populär, weil die Gottesdienste hier noch auf Aramäisch abgehalten werden.

(jk)