Marco Völker

Marco Völker: "Vielfalt ist die Party-Einladung - aber Inklusion die Aufforderung zum Tanz"

27.11.2020 14:41 Uhr, von Chris Ehrhardt

Am Sonntag, 29. November 2020, wählt Stuttgart als Landeshauptstadt von Baden-Württemberg seinen neuen Oberbürgermeister. Mit Marco Völker, Betriebswirt und Manager, stellt sich ein weiterer "Nobody" zur Wahl, wie er sich selbst sieht. Aber ein "Nobody", der das Beste für Stuttgart möchte und der sich dem Leitspruch eines großen Stuttgarters - dem ehemaligen OB der Landeshauptstadt Manfred Rommel - verhaftet sieht: "Es wird viel nachgedacht, quergedacht und umgedacht, aber wenig zu Ende gedacht." Und das will Völker als unabhängiger Kandidat, der sich der Inklusion und Teilhabe aller Bevölkerungsteile verschrieben hat, umsetzen - als Oberbürgermeister. Einen weiteren Punkt, den Völker gewinnbringend für die Landeshauptstadt ins Rennen werfen will und wird, ist seine Tätigkeit für das Schweizer Unternehmen Climeworks, das sich darauf spezialisiert hat, die Umgebungsluft von CO2 zu befreien und damit den Klimawandel umkehren will.

Herr Völker, Sie treten als parteiloser Kandidat in Stuttgart an, welche Chancen rechnen Sie sich aus und welche Ziele haben Sie als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart?

Mein Ziel ist es, die Menschen mittels Bürgerentscheid zu befragen, was sie wirklich wollen, statt ihnen die Religion von machtgierigen Politikern aufzudrängen. Dazu werde ich aber keine Gelegenheit bekommen, da die Medien vorab die "BIG 5“ ausgerufen haben. Jetzt wird Nopper unaufhaltsam zum OB gewählt. Gegen Noppers Spenden-Clique habe ich keine Chance. Die Frage der Medien müsste lauten: Woher kommen die ganzen Spenden, wer gibt Nopper so viel Geld? Ich vermute, dass der Nopper-Wahlkampf viel mehr als 500.000 Euro gekostet hat, ich gehe fast vom Doppelten aus. Folgt also auf die Nopper-Wahl ein Spenden-Skandal? Noppers Spendenpraxis sollte hinterfragt werden. Ich werde das noch bei der Staatsanwaltschaft anregen. Folgende Fragen sind ungeklärt: Wie viel hat Nopper eingenommen? Was erwarten die Spender im Gegenzug? Nopper hat seinen Spendenverein selbst mit initiiert. Scheinbar hat sich keiner so genau den Gründungsakt und die Satzung seines Spendenvereins angeschaut. Einen ganz genauen Blick muss man auf die Sachspenden werfen, also auf die Werbemittel, für die fremde Dritte in der Regel die Rechnung bezahlen. Es stellen sich dazu zahlreiche steuerrechtliche Fragen.

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Ich will deutlich machen, dass es in Stuttgart um das große Geld geht und Frank Nopper nur einen leicht besseren "Heiligenschein" als Donald Trump hat. Es geht doch um Wahrhaftigkeit. Die Menschen wollen Wahrhaftigkeit, so wie die Wähler in den USA, die den Lügner Donald Trump endlich abgewählt haben. Sollen die Immobilien-Haie unter Nopper noch mehr bauen dürfen, damit sie noch mehr Partei-Spenden abgeben können? Muss denn alles zubetoniert werden? Noppers Absichten hier sind klar. In der Zwischenzeit existiert eine lange Liste mit Wahlanfechtungsgründen. Mein Ziel ist es, Transparenz in den OB-Wahlkampf zu bringen, auch wenn ich nicht mehr Oberbürgermeister werden kann.

Sie haben sich das Thema Inklusion auf die Fahne geschrieben. Waren Sie hier etwas zu naiv oder wieso glauben Sie, können Sie mit diesem Thema punkten?

Nun der erste Wahlgang hat zwei Dinge deutlich gezeigt: Auf der einen Seite ist es unheimlich wichtig, dass man nicht von den Medien und Podiumsdiskussionen ausgegrenzt wird, ansonsten hat man keine Chance. Das war bei mir aber der Fall. Zum anderen hat das Thema, für das ich so brenne, leider keine Gravitation entwickelt. Nun könnte man munkeln, es lag am Thema selbst oder es lag an der fehlenden Aufmerksamkeit in den Medien. Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter hatten schlicht keine Gelegenheit mich kennenzulernen. Dass ich das Thema Inklusion zu Beginn meiner Kampagne als zentrales Thema erkoren habe hat wiederum zwei Gründe: Ich habe meinen beruflichen Hintergrund darin und ich stehe wie kein anderer zu einer inklusiven Gesellschaft, bei der unsere Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Zum anderen werden die Menschen in Stuttgart über kurz oder lang zu 60 Prozent einen Migrationshintergrund haben. Da braucht es ein verbindendes Element, eben die Inklusion. Weil Vielfalt nur die Einladung zur Party darstellt, Inklusion aber die Aufforderung zum Tanzen ist.

Nennen Sie mich naiv, damit komme ich klar, ich sehe aber, dass es in Zukunft ohne einen massiv-inklusiven Ansatz nicht funktionieren wird. Würden alle inklusiv handeln, dann gäbe es keine Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt oder bei der Stellenbewerbung - auch nicht für Menschen mit Migrationshintergrund. Bei einem Aufeinandertreffen mit einem der Kandidaten wurde ich Zeuge, wie dessen Frau sich über die "vielen Shishas" in der Stadt brüskierte und der Meinung war, man würde sich beim Überqueren eines - bei Menschen mit Migrationshintergrund beliebten - Platzes schon nicht mehr "wie in Deutschland fühlen“. Ich muss dazu anmerken, es war nicht die Frau des AfD-Bewerbers, der ohnehin ausgeschieden ist! Solche Kommentare zeigen mir, wie die Gesinnung in vielen Köpfen noch aussieht und was man in Puncto Inklusion hier von einem der Bewerber vielleicht zu erwarten hat oder vielmehr eben nicht erwarten kann bzw. dass ein Anfreunden mit vermeintlich fremden Kulturen noch sehr lange dauern, wenn nicht sogar unmöglich sein wird. Stuttgart könnte Weltstadt sein, aber Weltstadt kann halt nicht jeder. Einen liberalen Anstrich verordnen sich viele Kandidaten in diesem Wahlkampf, ich empfehle aber das Motto: "Trau, schau, wem!".

Ihr Appell an die Stuttgarter Bürger zur Wahl?

Ich appelliere an die Bürgerinnen und Bürger: Hört auf Euer Bauchgefühl. Befasst euch mit der Frage, ob ihr wirklich ein politisches "Weiter so" wollt oder ob ihr bereit seid, diesmal anders zu wählen als all die Jahre zuvor, indem ihr insgeheim mal einen Nobody wählt und keinen der favorisierten Partei-Kandidaten. Es sieht euch ja keiner dabei zu, wenn Ihr Euer Kreuzchen macht. Es wäre doch ein Paukenschlag, wenn mal ein unabhängiger Nobody OB von Stuttgart wird. Da würde das Establishment dumm aus der Wäsche schauen.

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