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Männliche Sportlehrer für reine Mädchenklassen möglich

19.12.2019 20:47 Uhr

Eine Waldorfschule in Franken hatte ganz gezielt nach einer weiblichen Sportlehrerin gesucht und die Stelle auch so ausgeschrieben. Ein männlicher Sportlehrer hatte sich beworben und war mit dem Hinweis abgelehnt worden, man suche nur nach einer weiblichen Kraft. Dagegen zog der Sportlehrer vor Gericht und ging durch alle Instanzen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschied, dass dem Lehrer eine Diskriminierungsentschädigung zusteht, über deren Höhe das Landesarbeitsgericht Nürnberg zu entscheiden hat.

Will eine Schule für den Sportunterricht einer Mädchenklasse ausschließlich eine weibliche Lehrkraft einstellen, muss sie dies jedenfalls umfassend begründen. Der pauschale Verweis auf mögliche Schamgefühle der Mädchen reicht nicht aus, wie am Donnerstag das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschied. Ob eine entsprechende Stellenausschreibung grundsätzlich zulässig sein kann, blieb jedenfalls in der mündlichen Urteilsbegründung offen. (Az: 8 AZR 2/19) Für die Mädchen-Oberstufenklassen hatte eine Waldorfschule in Franken eine "Fachlehrerin Sport (w)" gesucht. Der Kläger war mit dem Hinweis abgelehnt worden, es werde eine weibliche Sportlehrkraft gesucht. Er macht geltend, dies sei eine unzulässige Diskriminierung wegen des Geschlechts, und verlangt eine Entschädigung.

Schamgefühlverletzung der Kinder nicht ausreichend belegt

Demgegenüber verwies die Waldorfschule auf den "LehrplanPlus" in Bayern, wonach der Basissportunterricht in nach Geschlecht getrennten Klassen unterrichtet wird – die Mädchen von weiblichen und die Jungen von männlichen Lehrkräften. Dies sei wegen der besonderen Körperlichkeit des Sportunterrichts und dem damit verbundenen Schamgefühl der Kinder und Jugendlichen auch gerechtfertigt, argumentierte die Schule.

Dem BAG reichte diese Begründung nicht aus. Nach ihrer Zulassung könne die Waldorfschule nach eigenen Lehrplänen unterrichten, hob das Gericht hervor. Der Verweis auf die Lehrpläne des Landes laufe daher leer. Das Schamgefühl der Kinder und Jugendlichen habe die Schule nur behauptet, aber nicht ausreichend dargelegt und begründet. Daher stehe hier dem Lehrer eine Diskriminierungsentschädigung zu. Deren Höhe muss nun noch das Landesarbeitsgericht Nürnberg festsetzen.

(ce/afp)

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