imago/Manfred Segerer

Lungenkrebs häufigste Krebsart bei Männern

1.3.2019 22:30 Uhr, von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Der Lungenkrebs gehört mit zu den häufigsten Krebsarten. Bei Männern ist sie sogar die häufigste Krebsart, bei Frauen die zweithäufigste, nach dem Mammakarzinom. 25 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern stellen einen Lungenkrebs dar. Bei Frauen betreffen 15 Prozent der Krebserkrankungen die Lunge.

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland 53.000 Personen an Lungenkrebs. 34.000 hiervon waren Männer und 19.000 Frauen. Der Anteil der Männer hat in den letzten Jahren leicht abgenommen, dafür ist der Anteil der Frauen angestiegen.

Am häufigsten tritt diese Krebsart nach dem 60. Lebensjahr auf und hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Gab es vor 120 Jahren in den USA 400 Fälle pro Jahr, sind es aktuell 1,3 Millionen Krebsfälle. Fast 90 Prozent der Erkrankungen entstehen durch den Konsum von Nikotin. Die Erkrankung ist abhängig von der Intensität und der Dauer des Rauchens und die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken nimmt stark zu, je länger und stärker man raucht.

Tabak hat 100 krebserregende Inhaltsstoffe

Tabak besitzt über 2000 Inhaltsstoffe, von denen mehr als 100 krebserregend sind. Selbst bei Nichtrauchern, die durch Passivrauchen Tabakrauch einatmen, steigt die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken auf das 1,3 fache an. Hierbei spielt nicht das Nikotin eine Rolle, sondern die anderen krebserregenden Stoffe, die man als Passivraucher mit einatmet. Raucht man 20 Jahre lang jeden Tag eine Packung Zigaretten hat man eine 20fach höhere Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken, als ein Nichtraucher. Hört man mit dem Rauchen auf, verringert sich das Risiko nach fünf Jahren bereits um 60 Prozent und nach 20 Jahren sogar um 90 Prozent. Der Gebrauch von E-Zigaretten schützt nicht vor Lungenkrebs und sie sind keine Alternative zu normalen Zigaretten.

Gas Radon: Gefahr aus dem Boden

Als andere Ursachen für die Entstehung von Lungenkrebs wird das natürlich vorkommende Gas Radon angesehen. Es tritt aus dem Boden aus und kann sich in Gebäuden sammeln. Um dies zu verhindern, wurden in den letzten Jahren die Bestimmungen zur Abdichtung von Kellerwänden und Bodenplatten verschärft, um eine Radonbelastung in Gebäuden zu verringern. Auch die Aufnahme von Nickel, Chrom, Asbest und Feinstäuben durch die Atmungsorgane kann Lungenkrebs auslösen. Ebenso kann die Entartung von Narbengewebe der Lunge, die durch eine Tbc-Erkrankung oder einen Lungeninfarkt entstanden sind, Lungenkrebs auslösen. Aber überwiegend wird Lungenkrebs durch das Rauchen verursacht und nimmt in den letzten Jahrzehnten auch bei Frauen stark zu, da immer mehr Frauen rauchen.

Schlechte Heilungschancen

Die Heilungschancen sind für diese Krebsart sehr schlecht und die Überlebenswahrschein-lichkeit liegt bei 15 Prozent für den Zeitraum von 5 Jahren nach der Diagnosestellung bei Männern. Bei Frauen beträgt die Heilungschance 20 Prozent. Im Fall einer sehr frühen Diagnose steigt die Heilungschance auf 70 Prozent an. Die häufig schlechte Überlebenschance liegt daran, dass die Diagnose meist erst spät gestellt wird und der Krebs dann bereits fortgeschritten ist und sich Metastasen gebildet haben.

CT-Untersuchung bringt Gewissheit

Eine Frühdiagnose kann durch eine Röntgenaufnahme der Lungen erfolgen, allerdings können sehr kleine Tumore hierdurch nicht nachgewiesen werden. Dies ist durch eine CT-Untersuchung möglich. Die Symptome gehen meist direkt vom betroffenen Organ aus und zeigen sich in Heiserkeit, Husten mit blutigen Auswurf und Kurzatmigkeit. Als weitere Symptome können Abgeschlagenheit und plötzliche Gewichtsabnahme auftreten. Bei Husten, der länger als drei Wochen anhält, sollte man einen Arzt aufsuchen, um die genauen Ursachen zu ermitteln.

Dreifache Kombinationstherapie

Die Therapie ist abhängig von der Art und Ausbreitung des Lungenkrebses und besteht aus einer Kombination von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Der beste Schutz vor Lungenkrebs ist das Nichtrauchen. Eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung evtl. vermindern, aber schützt nicht vor Lungenkrebs. Die zusätzliche Einnahme von Vitamine, wie Vitamin A, E oder D, kann die Entstehung von Lungenkrebs nicht verhindern.

Çermik: Asbestbelastete Region

Aktuell beobachten wir in Deutschland, dass Türken, die aus bestimmten Regionen der Türkei stammen, in denen viel Asbest verarbeitet und in Häusern verbaut wurde, wie beispielsweise Çermik, Kreisstadt in der osttürkischen Provinz Diyarbakır, häufig an Lungenkrebs erkranken. Personen aus diesen Regionen empfehlen wir die Frühdiagnostik durch eine Röntgenaufnahme der Lunge wahrzunehmen, um möglichst früh eine Erkrankung feststellen zu können.

Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung