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Luftfahrt-Boss kritisiert Quarantänepflicht für Reiserückkehrer scharf

28.9.2020 11:47 Uhr

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Dirk Hoke, hat die Kritik der Branche an den für Oktober geplanten neuen Reisebestimmungen erneuert. "Wenn Bund und Länder das erfolgreiche Testen durch eine pauschale Quarantänepflicht ersetzen, dann kommt das einer Stilllegung des Flugbetriebs gleich", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Airlines würden sich heute schon in einem schlechten Zustand befinden, erklärte Hoke. "Dann wird sich das noch mal verschärfen, und wir müssen damit rechnen, dass die Auswirkungen auf die Luft- und Raumfahrtindustrie als Konsequenz auch entsprechend schwer sind."

Hoke: Keine Krise vor Corona

Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, dass sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab Mitte Oktober mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben müssen. Zudem sollen sich nach Deutschland einreisende Passagiere über ein Online-Portal anmelden. Wer das versäumt, dem drohen Bußgelder. "Wir verstehen auch nicht die Verhältnismäßigkeit", sagte Hoke. Inzwischen stünden ausreichend Schnelltests zur Verfügung, bei denen man schon nach ein oder zwei Stunden ein Ergebnis habe.

Die Corona-Krise und der deshalb einbrechende Reiseverkehr hat die Luftfahrtgesellschaften in eine schwere Krise gerissen. Die Nachfrage bei Flugzeugbauern wie Airbus brach entsprechend ein. Dass die Branche schon vor Corona vor Problemen gestanden habe, glaubt Hoke nicht. Damals sei es eher um einen technologisch bedingten Wandel der Nachfrage weg von großvolumigen Flugzeugen hin zu kleineren gegangen. Statt vier Turbinen sollten auch mit Blick auf die Klimadiskussion zunehmend Flugzeuge mit zwei Düsenstrahlern zum Einsatz kommen.

Doch gebaut wurde weiterhin. "Bis Anfang dieses Jahres galt eine einfache Daumenregel", sagte Hoke. "Alle 15 Jahre verdoppeln sich die Passagierzahlen." Bis diese Regel wieder gelte, werde es nun einige Jahre dauern.

Staatshilfe "absolut richtig"

Kritik an den milliardenschweren Staatshilfen für Fluggesellschaften wie die Lufthansa wies Hoke zurück. "Ich habe von Anfang an den Aspekt der Souveränität betont, und dazu gehört auch eine nationale Airline", sagte er. Die Lufthansa sei vor der Corona-Pandemie kein Strukturierungsfall gewesen und habe viel geleistet, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu beleben. "Hier zu sagen, dass man das entsprechend stützt und sicherstellt, halte ich für absolut richtig." Es sei kein Widerspruch, dass auch in anderen Branchen mehr getan werden müsse.

Hoke forderte zudem mehr staatliche Investitionen in Innovationen und technischen Fortschritt. "Wichtig ist, dass gerade jetzt der Staat in Forschung investiert, besonders zum klimaneutralen Fliegen inklusive synthetischer Kraftstoffe." Das schließe auch Investitionen in den militärischen Bereich und die Raumfahrt nicht aus. Diese machen dem Verband zufolge rund 20 Prozent des Branchenumsatzes der Luft- und Raumfahrtindustrie aus. In der Krise, in der vor allem die Nachfrage aus dem zivilen Luftfahrtbereich einbreche, würde die geplante Vergabe öffentlicher Aufträge aber immer wichtiger, auch um Planungssicherheit zu erhalten.

Kramp-Karrenbauer verspricht Unterstützung

Entsprechende Signale der Bundesregierung gab es Mitte September. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihre französische Kollegin Florence Parly versprachen bei einem Besuch des Airbus-Werks in Manching bei Ingolstadt, die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Kampfflugzeugs sowie einer Aufklärungsdrohne weiter vorantreiben zu wollen.

(bl/dpa)

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